: /"pin-up" :

getestet von bernhard steinmayer


1941, mit dem Angriff des kaiserlichen Japans auf die US-amerikanische Pazifikflotte, und den darauffolgenden Eintritt der USA auf Seiten der Alliierten, wird der herrschende Krieg endgültig zum Weltkrieg. Während Joe Wyllis auf der kleinen Pazifikinsel Naru gegen die Japaner kämpft harrt seine Verlobte, die Blondine (nicht sexistisch gemeint, hat für die Story aber entscheidende Bedeutung) Dorothy "Dottie" Partington, voll Sehnsucht auf seine Rückkehr. Weil sie aber als Kinobilleteurin lieber die Kriegsberichte mitverfolgt, anstatt ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen wird sie bald gekündigt. Nachdem sie auch ihre Miete nicht mehr bezahlen kann, hilft ihre Bekannte, die schwarzhaarige Talullah, ihr aus und läßt sie auch bei sich wohnen. Darüberhinaus verhilft sie Dottie auch zu einem Job im Yoyo Club, einem "Kabarett" wo sich Luftwaffenoffiziere vergnügen. Die prüde, brave und treuherzige Dottie verzichtet aber auf einen Job als Animierdame, wie Talullah eine ist, sondern begnügt sich Zigarettenverkäuferin zu sein. Talullah ist das genaue Gegenteil von Dottie, sie ist ein zynischer, eiskalter Vamp. Für Dotties Gefühle ihrem Verlobten der im Jungel mittlerweile von den Japanern gefangen wurde, hat sie nur Spott und Hohn übrig. Im Yoyo Club lernt Dottie dann auch den Luftwaffengeschwaderführer Earl, der sie als Pin-up auf seinen Bombern haben möchte, und den Zeichner Milton kennen, der von der Regierung beauftragt wurde "patriotische" Comics herzustellen. Milton, der von der blonden, unschuldigen Dottie hin- und hergerissen ist, verstößt seine bisherige Muße Talullah als Pin-up- und Comicvorlage, und kreiert den Comicstrip "Poison Ivy", mit Dottie als Vorlage. "Poison Ivy", eingehüllt in schwarzem Leder mit schwarzen Haaren und giftgrünen Augen, bewaffnet mit einer Peitsche mit der sie den Japanern einheizt, erobert die Herzen der GI‘S im Sturm. Talullah kündigt Dottie die "Freundschaft" da sie es auf Milton abgesehen hat und nicht erträgt, daß sie nicht mehr seine Inspirationsquelle ist. Joe, der alle Wirrnisse und Schrecken des Kriegs an der Pazifikfront erleben muß, ist schockiert als er dahinterkommt, daß seine Verlobte die Vorlage für "Poison Ivy" ist. Er löst schließlich ihre Verlobung auf, was Dottie verzweifeln läßt. Sie nimmt die Charakterzüge von "Poison Ivy" an und liefert sich Sex- und Alkoholexzesse und verkommt zu einem Fotomodell für eine SM-Zeitschrift. Hinzu kommt, daß ein Serienmörder sein Unwesen treibt, der es auf Pin-up-modells, vor allem auf Talullah und Dottie abgesehen hat...
Die Trilogie Pin-up ist ein vorzügliches Comicwerk. Die Atmosphäre der 40er ist sehr gut inszeniert, sowohl von der Story (Yann) als auch von den Zeichnungen (Philippe Berthet). Die Story, welche die Erlebnisse sowohl von Joe an der Pazifikfront als auch die von Dottie an der "Heimatfront" mitverfolgt, wurde durch die Bilder Berthets eindrucksvoll in Szene gesetzt. Der Leser fühlt sich wie in einen Film der 40er Jahre versetzt, wo die Anmut der Pin-up Schönheiten, deren unschuldig-lasziver Sex-Appeal eine ganz eigene Atmosphäre schafft. Nie aber ist "Pin-up" zu derb oder brutal, sondern z.T. sehr humorvoll. Drei Leserinnen, denen ich "Pin-up" als Lektüre verabreicht habe, waren äußerst angetan von den Erlebnissen von Dottie und Joe und der Frage, ob sie doch noch irgendwann zusammenfinden werden.
Fazit: "Pin-up" ist eine äußerst liebevoll gezeichnete und erzählte Geschichte über Krieg und Liebe, und wirklich empfehlenswert. All jene, die aber einen harten Thriller mit viel Sex und Gewalt erwarten werden aber enttäuscht sein.

"Pin-up" Comic-Serie in drei Bänden

Dargaud präsentiert
"Pin-up" Band 1
Text: Yann
Zeichnungen: Berthet
Farben: Topaze
Salleck Publications
Eckart-Schott-Verlag, Wattenheim 1997

Dargaud präsentiert
"Pin-up" Band 2
Text: Yann
Zeichnungen: Berthet
Farben: Topaze
Salleck Publications
Eckart-Schott-Verlag, Wattenheim 1997

Dargaud präsentiert
"Pin-up" Band 3
Text: Yann
Zeichnungen: Berthet
Farben: Topaze
Salleck Publications
Eckart Schott Verlag, Wattenheim 1998