: der schatten des schwans ulrich ritzel

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Mein lieber Schwan! In einem Steinbruch bei Ulm in Schwaben wird die Leiche eines ehemaligen Eisenbahningenieurs aus Görlitz vollgepumpt mit Psychopharmaka gefunden; zugleich bricht der "Rasiermessermörder" aus der Strafvollzugsanstalt (mit dem interessanten Namen) Mariazell aus. Daß es sich keineswegs um eine leichte Aufgaben handelt, die sich Kommissar Berndorf und seiner jungen Assistentin Tamar da stellen, scheint klar.
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Polizeiapparat auf Hochtouren; eine Sonderkommission aus Stuttgart mischt sich zu allem Überdruß noch in die Ulmer Polizeiarbeit ein. Nachdem Berndorfs Ermittlungen ihn in Kreise der Polit- und Wirtschaftsprominenz führen, suspendiert die SoKo den schrulligen, unkonventionellen, aber überdurchschnittlichen Kommissar. Doch unbeirrbar verfolgt Berndorf, der sich auf die Loyalität Tamars, seines Montaigne-Bändchens sowie seiner Barbara, die in den Staaten sozialwissenschaftlich forscht, stützen kann, seine Spur weiter und gelangt nicht nur zu Erkenntnissen über NS-Versuche, Menschenschmuggel und Ostwest-Gegensätze.

Pulsierend und realitätsnah wie auch leicht schelmisch und sozial kritisch präsentiert sich der erste Roman des Journalisten Ulrich Ritzel. Parallelen zu Hennings Wallander zu ziehen erscheinen möglich, doch andererseits verfemt; hat sich Berndorf doch primär Problemen des eigenen Landes zu stellen. An Durchkonstruiertheit steht der Schwabe dem Schweden allerdings um nichts nach. Auch die schwäbische Alb eignet sich für die Fragen nach Verbrechen und Schuld, genauso wie das Ulmer Münster Schauplatz eines Polizeigroßeinsatzes sein kann. Genialer Krimi!

Ritzel, Ulrich: Der Schatten des Schwans. Lengwil: Libelle 1999