intakte mütter / nikolaus scheibner

text: haz

Viel erlebt man nicht, schaut man bei einer Lesung in der alten Schmiede vorbei und hat den Hund an der Leine. Der hechelt. Das haben die dort nicht gerne, beziehungsweise hören sie ungerne. Da erhascht man gerade noch den Autor und marschiert mit bösen Blicken im Rücken wieder vor die Türe.
Nikolaus Scheibner war einer der Autoren, die im Literarischem Quartier im Juli Texte lasen. Vorlasen. Er nämlich "das Drama vom verrückten Lama" (aus "Auch eine Metamorphose. Basisdialoge" ).

Wahrscheinlich ist es schwierig einem Stück Text gerecht zu werden, wenn man es selbst nicht vor Augen und zuwenig Zeit hat, die Textvorstellung mit dem was man eigentlich wahr nimmt zu vereinen. Zu dem kommt das recht zwanghafte Ambiente des kleinen Literarischen Quartiers. Das Lama war nicht stark und trotz einiger Spielereien langweilig. Zu hören.
Schwer fällt es an seiner Prosa Geschmack zu finden, wenn man seine Lyrik kennt. Unfair ist es allemal den Einwand zu bringen, seine Gedichte würden in der Optik schon an Jandl erinnern. Viel war schon da und neues war nie das Selbe.
Läßt man einen Freunde ihn beschreiben, warnt er vorsichtig vor, Nikolaus seie.... und wirft man nach ein paar Sekunden Schweigen "Strange?" ein, dann nickt der andere verbal leicht, aber ganz beschreibt es ihn kaum. Im Gespräch vor ein paar Jahren ihm am Tisch gegenüber sitzend und heimlich verwundert über die Schnelligkeit an Antworten im sinnlosen Dialog. Er ist schnell im wörtlichen Schlagabtausch und das findet man in seiner Lyrik wieder. Irgendwie. Es ist auch keine deutschsprachige Textung, sondern ein Brocken von Österreich. Sprachfarblich. Zeitgenössische junge Wiener Literatur? Keine gute Phrase, aber sie trifft es wohl.

haselnussschokolade essen
und phantasieren
marihuana rauchen
und onanieren
die bewegung des kiefers
die bewegung der hand
gleichmäßige betäubung
es ist nur schade
um die schokolade
es is nur schad
um das ejakulat

"Intakte Mütter" ist letzten Herbst in einer Auflage von 1.000 Stück als Taschenbuch erschienen und Scheibner teilt sich das Papier mit Petra Lehmkuhl und Philip Scheiner, den man wunderbar über Hundeleinen springen lassen kann und ausserdem eine feine "Serie Super" geschrieben hat.
Neben einiger Brocken Lyrik auch Scheibners Text "Strickland 2" empfehlenswert. Achtung im Herbst auf die Basisdialoge im Ritter Verlag.

/intakte mütter / p. lehmkuhl, n. scheibner, p. scheiner / kleine reihe lesen / edition exil / wien 1999
kunstverein wien alte schmiede schönlaterngasse 9 1010 wien
literarisches quartier