dirk schwieger: ineinander :
1. Berlin:dereigenverlag 2000.

text: hilde


Man kann Dirk Schwieger eigentlich nur wünschen, dass sein ambitioniertes Projekt »dereigenverlag« und die auf 13 Bände konzipierte Serie »ineinander« die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Kai, Pablo und Jörn -- im nächsten Band soll das Personal um Stepha erweitert werden -- bewegen sich durch den »üblichen Wahnsinn von Lust, Macht, Mülltrennung«. Schwiegers expressive Zeichnungen sind wohldurchdacht und hervorragend strukturiert und scheinen sich streckenweise auf Eddie Campbell zu beziehen -- nicht nur wegen der Eingangssequenz, die deutlich den Prolog von »From Hell« zitiert. Das ist übrigens als Kompliment gemeint. Und so ganz nebenbei erbringt Schwieger den Beweis, dass das mit den Dialogen in deutschsprachigen Comics ja doch funktionieren kann. Höchste Empfehlung! Kaufen! Ich meine, wo sonst gibt es noch großartige Comics um 5,90 DM (mit Vierfarbcover und gedruckt, nicht kopiert)!?
In der Rubrik eigentor bietet Dirk Schwieger übrigens anderen selbst verlegenden Comic-Künstlerinnen und -Künstlern die Möglichkeit, sich vorzustellen. Die erste Ausgabe von »ineinander« bestreiten Patrick Wichtler und Silke Schmidt vom Berliner Ahoi-Verlag. Die Resulate sind naja. Patrick Wichtler orientiert sich allzu sehr an David Hughes und Bill Sienkiewicz, und bei Silke Schmidt liebe ich das dritte Bild (»natürlich muss man sich erst aneinander gewöhnen«), der Rest ist ohnehin kurz.
Doch es geht natürlich um die klassische, aber gute Idee, Leidgenossen ein Forum zur Veröffentlichung zu bieten, um irgendwann ein funktionierendes Underground-Comic-Netzwerk abseits des allgegenwärtigen Marktes zu etablieren. Count me in. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die nächsten zwölf Teile von »ineinander« einlösen, was Band 1 verspricht.