in a da da da vida:

text: space captain

Wenn ich mir den Buchtitel "IN A DA DA DA VIDA", geschrieben in glatten weißen Lettern auf blauer Pappe gekrönt vom siegreichen Adler (oder ist es der Pleitegeier- Sturzflug?) am geistigen Auge vorbeiziehen lasse, kommen mir neben Dadaismus zwei passendere Assoziationen: Iron Butterfly, die erste psychedelische Hardrock-Band (Juli 1968) mit dem Underground-Hymnus "In-A-Gadda-Da-Vida" und "Wadde Hadde Dudde Da", genau 32 Jahre danach (Mai 2000), dem Grand Prix-Lobgesang auf Big Brother und Taxi Orange. Nach 352 Buchseiten kurzweiligen Stories und Geschichtchen stelle ich dann erfreut fest, die Präsentation dieses wertfreien Songbooks von Hollow Skai verbindet meinen ersten Eindruck in weitem Pfeil und Bogen spannend miteinander. Wobei ich der Meinung des Autors "Es komme nicht darauf an, ob eine Geschichte auch wahr sei, Hauptsache sie sei schön geschrieben, wäre eine geistige Bankrotterklärung" nur insofern zustimme, daß die Bandbreite der Wahrheitsdichte einer Story mit weitem Bogen zu betrachten ist. Unter Berücksichtigung dieses Gedankens macht die durchaus unterhaltsame Sammlung von magischen, mythischen & mysteriösen Erzählungen aus der Popgeschichte dann auch Sinn.

Es war einmal..... Endlich mal jemand, der den Leser wie bei arabischen Märchenerzählern (jedes Märchen hat ja einen Wahrheitsgehalt) in blumiger Sprache die neuesten und aktuellsten Gossips kundtut: Wie Bob Dylan den Beatles das Kiffen beibrachte, Robert Johnson seine Seele dem Teufel verkaufte, warum der "Godfather Of Soul" nur noch Songs freigibt, die nicht von schmutzigen Sachen handeln und warum Tupac Shakur erschossen wurde. Was in der Branche lief, bevor die CD der MC den Rang ablief, warum Brian Eno keine Lovesongs schreibt und was Sinead O´Connor dazu bewegte, ein Papstbild zu zerreißen... das alles und noch viel mehr erzählt Hollow Skai in dieser unterhaltsamen kleinen literarischen Mahlzeit zwischendurch. Die Stories über Paul McCartneys angeblichen Tod, Bob Marleys Pakt mit der Atomindustrie oder Scott Walkers Flucht ins Kloster, all die Geschichten über Pop und Payola, Nena und Nirvana sind auf kein Genre beschränkt und für jede Generation interessant und verständlich.

Der Autor, Hollow Skai, ist so alt wie der Rock´n Roll selbst, gründete einst das Independent Label "No Fun Records", verfasste u.a. ein Standardwerk über Punk und schrieb eine Scorpions-Biographie. Außerdem war er jahrelang Pop-Redakteur beim "Stern" und schrieb für Zeitschriften wie Rolling Stone, Max und Mare. Wer die Furcht des Patienten beim Zahnarzt vergessen möchte, wer Bild-, Kronen-Zeitung oder Fix & Foxi auf der Toilette satt hat, wer ganz einfach sein Elementarwissen über Rock und Pop in unterhaltsamer Weise erweitern möchte, dem sei dieses amüsante kleine 1x1 der Musikgeschichte ans Herz gelegt. (7/10)

Hollow Skai: "IN A DA DA DA VIDA" (Hannibal Verlag)