: /"unknown soldier" :

getestet von bernhard steinmayer


William Clyde, Agent des CIA, zuständig für Undercoveraktionen lebt ein "durchschnittliches" Agentenleben: Attentate leiten, Drogenbosse liquidieren usw. Bei den Nachforschungen über eine Gruppe, die sich "Kalifornien Zuerst" (welche Assoziationen hat der hier wohl der österreichische Leser?) nennt, eine Gruppe militanter Washington-Gegner und Steuerverweigerer – an sich eine reine Routinesache - kommen ihm plötzlich Namen von Personen unter, die mit diesen Leuten überhaupt nichts gemeinsam haben. Pflichtbewußt wie Clyde ist, überprüft er auch diese. Der II. Weltkriegsveteran Markewitz, der in einem Pflegeheim dahinvegetiert, erzählt ihm von einer Begebenheit die er und seinen Kameraden erlebt haben, als sie 1945 das KZ Dachau befreiten. Ein Hüne in Militäruniform und Kopfverband, dessen Begleiter ihn nur Projekt "Unknown Soldier" nannten stürmtew in das Lager und tötete Teile der SS-Wachmannschaft. Dabei skandierte er: "Die Welt sollte es Wissen! Wenn unsere Feinde so etwas tun – wenn Amerika gegen so etwas kämpfen muß, dann haben wir immer Recht! Und alles was wir tun ist richtig!". Eine unheimliche Begegnung, die Markewitz zeit seines Lebens nicht mehr vergessen hat. Kurz darauf stirbt Markewitz bei einem ominösen Brand. William Clyde, ist tief beunruhigt und stellt auf eigene Faust Nachforschungen über den mysteriösen unbekannten Soldaten an. Nachdem er weitere Namen von Personen zugespielt bekommen hat, die irgendwann den Weg des Soldaten gekreuzt haben, und diese nach seinen Gesprächen immer eines unerwarteten Todes sterben, realisiert Clyde, daß irgend jemand will, daß er die Wahrheit über "Unknown Soldier" herausfindet, andere ihn aber mit aller Gewalt daran hindern zu versuchen. Als schließlich eine Kollegin eine Kugel abkommt – die für ihn bestimmt war – und stirbt, nimmt Clyde den ungleichen Kampf gegen die Verschwörer und den Phantomsoldaten auf. Langsam enthüllt sich für ihn das Puzzle, denn der unbekannte Soldat scheint auf allen wichtigen Kriegschauplätzen der Erde - wo die Supermacht USA, direkt oder indirekt in Erscheinung trat - die "Kohlen aus dem Feuer" geholt zu haben...
Daß dieses Werk vom "Preacher"-Autor Garth Ennis stammt, ist bemerkenswert. Während "Preacher" all die Schattenseiten des Amerikanischen Traumes mit viel Zynismus und politischer Unkorrektheit verhöhnt, nähert sich "Unknown Soldier" mit viel Pathos und pompösen Patriotismus an dieses Thema an. Es ist, trotz Action und Gewalt, ein sehr ernstes und politisches Comicwerk. Es geht sehr viel um Moral. Die hehren, vordergründigen Ziele der Weltmacht werden in Frage gestellt. Die Doppelzüngigkeit, einerseits das absolut Gute für sich zu reklamieren und diese moralischen Grundsätze auf die restliche Welt anzuwenden und andererseits mit dem Teufel zu buhlen und die ärgsten Massenmörderregime aus interessenspolitischer Räson zu unterstützen, wird trefflich karikiert. Die spannende Story von Garth Ennis wurde von Kilian Plunkett, der mit seinen Bildern eine düster-bedrohliche Atmosphäre schafft, trefflich in Szene gesetzt. Daß dieses Werk von Amerikanern stammt mag zu Anfangs, ob der subtilen Kritik, etwas verwundern, doch es trägt viel mehr zur Credibility bei, als wenn es von Europäern stammen würde. Aber "Unknown Soldier" ist viel mehr als nur ein Traktat über Moral und Doppelmoral. Es geht um Krieg, Ehre und vor allem um den (ewigen) Kampf zwischen Gut und Böse und um die Feststellung, daß die Frage, auf welcher Seite man steht, oft nur eine Frage des Standpunktes ist.
Fazit: "Unkown Soldier" ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Für jene unter euch, die den Amerikanismus völlig widerspruchslos lieben, ist "Unknown Soldier" nicht unbedingt eine Freude, trotzdem sei zur Lektüre geraten.


Vertigo/Speed: "Unknown Soldier"
Von Garth Ennis (Text) und Kilian Plunkett (Zeichnungen)
(Dt. Ausgabe) Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz