: /"das blaue tagebuch" :

getestet von bernhard steinmayer

Die aparte Franko-Kanadierin Louise Lemoine wohnt in einer kleinen Wohnung in einem der äußeren Bezirke von Paris. Das Fenster ihrer Küche, welches keine Vorhänge hat, liegt direkt vis-à-vis der Metrostrecke. Eines Tages läutet der charmante Armand Laborie an ihrer Tür und sagt, daß während die Metro einen pannenbedingten Aufenthalt hatte, er sie gesehen hat "so wie Gott sie schuf..." und sich Hals über Kopf in sie verliebt hätte. Louise hält zwar Armands Geschichte für witzig, geht aber nicht weiter darauf ein. Daraufhin schickt er ihr Liebesbriefe und drängt sie zu einem Rendezvous. Louise, angetan von seiner Hartnäckigkeit willigt schließlich ein. Die beiden kommen sich zwar näher, aber Louise hat für Armand sonst nicht viel weiter übrig. Während einem Konzert lernt sie den verträumten Victor kennen. Schließlich verliebt sie sich in ihn und serviert Armand, der gerade von einem Urlaub aus Rio de Janeiro zurückgekommen ist, beinhart ab. Das Glück zwischen Louise und Victor währt nur kurz, denn nach einiger Zeit bekommt sie ein mysteriöses "blaues Tagebuch" zugeschickt und das Unglück nimmt seinen Lauf. Mehr will auch gar nicht verraten sein.

Andrè Juillards "Das blaue Tagebuch" ist ein Kleinod französischer Comickunst. Die Geschichte wird aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Protagonisten erzählt, und thematisiert die Schwierigkeit, die Menschen haben, zueinanderzufinden bzw. miteinander zu leben. Es ist eine Geschichte über Menschen und ihre Beziehungen zueinander. Die Zeichnungen sind im Vergleich zu der relativ unkonventionellen Story sehr "klassisch" – sauber, straight und ohne große Spielereien. Gewürzt wird dieses Beziehungs-Potpourri zusätzlich mit einem Schuß Suspense als einer der Protagonisten plötzlich des Mordes verdächtigt wird. Alles in allem ein Comic daß eine anspruchsvolle Grundkomponente nicht verschweigt. "Das blaue Tagebuch" von Andrè Juillard ist vielleicht nicht für jeden Geschmack geeignet weil es eigentlich (nicht im negativen Sinne zu verstehen) sehr unspektakulär ist. Gerade dieses Kriterium macht, m.E., aber einen besonderen Reiz aus.


"Das blaue Tagebuch"
Andrè Juillard (Text und Zeichnungen)
Salleck Publications
Eckart Schott-Verlag, Wattenheim 1996