killing me softly (OV: dto.)

Start: 10.01.03
Lšnge: 95 min
Von: Chen Kaige (Regie)
Mit: Joseph Fiennes, Heather Graham, Natascha McElhone, Ian Hart, u.a.

Zehn Jahre ist es her, dass Chen Kaige in Cannes für "Lebewohl, meine Konkubine" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Was genau seit damals mit dem aus Beijing stammenden Regisseur passiert ist, entzieht sich zwar leider meiner Kenntnis, allzu gut kann es das Schicksal aber nicht mit ihm gemeint haben, zumindest lässt seine aktuelle Produktion "Killing Me Softly" dies vermuten.

Alice (Heather Graham) macht eigentlich keinen unzufriedenen Eindruck. Sie hat einen guten Job als Web-Designerin (wer kann das in der Branche heutzutage sonst noch von sich behaupten?), in ihrer Beziehung liegt nichts im Argen und die Frisur sitzt ebenfalls. Soviel seelisches Gleichgewicht schreit natürlich gerade zu nach einem Seitensprung mit einem Sado-Maso-Bergsteiger namens Adam (Joseph Fiennes), der so geheimnisvoll ist, dass man schon fast glauben könnte hinter der undurchsichtigen Fassade würde sich doch glatt auch noch ein Geheimnis verbergen. Innerhalb weniger Minuten ist Klein-Alice dem wilden Mann gänzlich hörig, es folgen lange Großaufnahmen von Grahams Brüsten und Herrn Fiennes Pobacken, danach der Schock: hat Adam etwas mit dem Tod seiner Ex zu tun? Woher kommen plötzlich die ganzen anonymen Briefe? Und was hat Deborah (Natascha McElhone) mit der ganzen Sache zu tun? Fragen über Fragen auf die man eigentlich überhaupt gar keine Antwort mehr bekommen möchte, doch die Geschichte nimmt trotzdem ohne Gnade ihren Lauf.......

Alles in allem ein echtes Dokument des Scheiterns. Was raffiniert und spannend sein soll, wirkt wie der klägliche Versuch eines in der Hochblüte seiner Pubertät stehenden Teenagers "China Blue bei Tag und Nacht" neu zu erfinden. Was vermutlich extrem psychologisch anspruchsvoll und düster angedacht war, entpuppt sich schon beim ersten Hinsehen als planloser Softcore-Thriller für Pärchen die zu feige sind, sich in die "ab 18" Abteilung ihrer Videothek zu verirren.

Nicolas Ossberger