| bezirksgericht 10. arrondissement
- momente von verhandlungen (OV: 10e chambre - instants d'audience)
Start: 14.01.05
Länge:105 min
Von: Raymond Depardon (Regie)
Mit: Michèle Bernard-Requin, u.a.
Auch
wenn der ausufernde Titel anderes vermuten lässt, Raymond Depardon
versteht es auch bei "10e chambre, instants daudience" wieder
einmal perfekt, die schmale Grenze zwischen seriöser Dokumentation
und Sozialvoyeurismus zu respektieren.
2003
erhielt Depardon für drei Monate die Erlaubnis an einem Pariser Zivilgerichtshof
zu filmen. Ein rares Angebot, welches im direkten Zusammenhang zu "Délits
flagrants" steht, jener Dokumentation, mit der er Mitte der Neunziger
einigen Staub aufwirbeln konnte, als er drei Vertretern der Staatsanwaltschaft
bei der täglichen Arbeit über die Schultern blickte. Damals
wie heute im Blickpunkt des Geschehens ist Michèle Bernard-Requin,
vor zehn Jahren noch im Dienst der Staatsanwaltschaft tätig, 2003
als Richterin am zehnten Pariser Bezirksgericht. Mit vier fix installierten
Kameras führt einem Depardon sowohl den juristischen, als auch den
emotionalen Dialog zwischen Richterin, Angeklagten, Anwälten und
Staatsanwaltschaft vor, ohne jedoch, trotz einer unleugbar vorhandenen
Tragikkomik, die Protagonisten der Lächerlichkeit preis zu geben.
"10e
chambre, instants daudience" kommt zur Gänze ohne moralische
Implikationen aus und überlässt es lieber dem Auge des Betrachters
sich eine Meinung zu bilden. Und nur so kann ein Gerichtsdrama, mit all
seiner Wut und Verzweiflung, dem Fatalismus und der Selbstüberschätzung,
funktionieren.
Nicolas Ossberger
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