ray (OV: dto.)

Start: 20.01.05
Lšnge:153 min
Von: Taylor Hackford (Regie), James L. White (Buch)
Mit: Jamie Foxx, Kerry Washington, Regina King, Aunjanue Ellis, Harry J. Lennix, Larenz Tate, Bokeem Woodbine, Curtis Armstrong, u.a.

Bio-Pics sind derzeit wieder schwer in Mode, weshalb "Ray" wohl perfekt den Nerv der Zeit trifft. Als Stolperstein erweist sich jedoch Taylor Hackfords Umsetzung, verfährt der Film in Sachen Hollywood'scher Mythenbildung doch über weite Strecken nach Schema F.

Was sagt es über ein Werk wie dieses aus, wenn im Anschluss kaum über die portraitierte Person, dafür umso mehr über die schauspielerischen Fähigkeiten des Leinwand Alter Egos berichtet wird? Ja, Jamie Foxx dürfte dank seiner Leistung in "Ray" der Oscar als bester Hauptdarsteller kaum zu nehmen sein und ja, er hätte ihn wohl auch verdient, dennoch ist es gerade Foxx Larger Than Life Interpretation der Hauptfigur, die einem hier rasch den letzten Nerv zieht. Erschwerend hinzu kommt, dass der Film nach einer knappen Stunde beginnt kein noch so abgedroschenes Musikerklischee auszulassen, was angesichts von Ray Charles Robinsons dokumentierter Lebensgeschichte fast schon ein wenig peinlich ist. Über die volle Distanz, die mit 2,5 Stunden schon schwer an der Grenze des Ertragbaren kratzt, fehlt "Ray" schlicht und ergreifend die erzählerische Kraft um sich vom Gros unzähliger TV-Movie Bio-Pics abzuheben. Von Ausgewogenheit keine Spur, dafür scheint es Hackford ein Anliegen gewesen zu sein, Charles Heroinabhängigkeit in penetranter Art und Weise zum einzig durchgängigen Thema zu machen, mit dem Effekt, dass es vor der finalen, post-rehabilitierten Moralkeule natürlich kein Entrinnen gibt.

Um den Vergleich zu wagen: "Ray" kommt ein wenig wie eine Best-of Compilation daher, auf der aus undurchsichtigen Gründen die interessantesten Stücke außen vor gelassen wurden. Was bleibt, ist ein Film mit viel außergewöhnlcher Musik und einem die Show stehlenden Jamie Foxx. Ein Denkmal sieht wohl anders aus.

Nicolas Ossberger