gangs of new york (OV: dto.)

Start: 21.02.03
Lšnge: 168 min
Von: Martin Scorsese (Regie)
Mit: Leonardo Di Caprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Jim Broadbent, John C. Reilly, Henry Thomas, Brendan Gleeson, Liam Neeson, u.a.


Da ist er also, der Film um den sich bereits vorab so viele Gerüchte rankten, dass man fast schon annehmen müsste, es tatsächlich mit etwas Außergewöhnlichen zu tun zu haben. Doch auch wenn Regisseur Martin Scorses schon lange nicht mehr so nah an einem, in Anbetracht seiner Karriere bekanntlicherweise längst überfälligen, Gnaden-Oscar dran war, "Gangs of New York" bietet schlußendlich nur wenig Überzeugendes.

New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Mann beim Rasieren. Blut tropft, verklebt die Klinge. Seinen Sohn lässt er, als dieser das Messer reinigen will, wissen: "No Son, Never – The Blood Stays On The Blade". It's "The Big Shave" all over again. Doch nicht nur hinsichtlich seines Frühwerkes bleibt sich Scorsese zu Beginn des Films treu, zählt die eröffnende Schlacht zwischen den einheimischen "Natives" und den irischen "Dead Rabbits" doch ohne Übertreibung mit zu den perfektest arrangierten Blutorgien ever, dargeboten mit einer zur Schau gestellten Härte, welche man sich auch für die restlichen 2,5 Stunden gewünscht hätte. Stattdessen entpuppt sich "Gangs of New York" leider als eine, ohne ersichtlichen Grund in die Länge gezogene, fast schon als seicht zu bezeichnende Sohn-rächt-Vater-Geschichte, deren einziges Glück es ist, dank der bildtechnisch prächtig in Szene gesetzten Bauten zumindest optisch einen Scorsese-würdigen Rahmen verliehen bekommen zu haben.

Schuld und Sühne, Katholizismus, Gewalt, "Gangs of New York" ist rein der Papierform nach geradezu klassisches Scorsese-Material. Dennoch fehlt dem Film das gewisse Etwas. Nicht nur, dass die Geschichte trotz ihrer Überlänge ungewohnt unergiebig ist, es gelingt dem Duo Day-Lewis/Di Caprio auch nicht ihrer durchaus ambivalenten Beziehung auch nur eine Spur Leben einzuhauchen. Summa summarum ergibt dies leider erneut einen zwar handwerklich perfekten, vom Status Meisterwerk allerdings meilenweit entfernen Film.

Nicolas Ossberger