21 gramm (OV: 21 grams)

Start: 27.02.04
Lšnge:125 min
Von: Alejandro González Iñárritu (Regie); Guillermo Arriaga (Buch)
Mit: Sean Penn, Benicio Del Toro, Naomi Watts, Charlotte Gainsbourg, Melissa Leo, Clea DuVall, Danny Huston, Catherine Dent, Carly Nahon, u.a.

Vier ganze Jahre lang haben sich Alejandro González Iñárritu und Guillermo Arriaga nach dem internationalen Erfolg mit "Amores Perros" Zeit gelassen für ihr vielerorts heiß ersehntes englischsprachiges Debüt-Werk. Schlussendlich vielleicht ein Mitgrund dafür, dass "21 Grams" den hohen Erwartungen leider nur in sehr bedingter Weise entsprechen kann.

Wie schon bei seinem Vorgänger, nimmt auch in "21 Grams" ein Autounfall eine zentrale Position ein, als Ort des Geschehens wo Lebenslinien zusammenlaufen und sich wieder trennen. Was jedoch bei "Amores Perros" noch durchaus poetische Züge hatte, muss jetzt in erster Linie als manipulatives Vehikel für die künstlich kompliziert gehaltene Erzählstruktur herhalten. Spätestens wenn der Abspann zu laufen beginnt, wird klar, dass man gerade Opfer eines alten Filmemachertricks geworden ist. Denn was einem da zwei Stunden lang entgegen jedweder chronologischen Vernunft als handlungstechnische Denksportaufgabe vorgegaukelt wurde, entpuppt sich schlussendlich als ein manipulatives Ablenkungsmanöver von der perfiden Simplizität der eigentlichen Story. Das ist nicht nur ärgerlich im Sinne des Payoffs, sondern wird auch einigen großartigen Leistungen im schauspielerischen Bereich, allen voran jene von Naomi Watts, nicht im Geringsten gerecht.

Korrekt aneinander gereiht, hätte Arriagas Drehbuch wohl kaum mehr als ein Stunde Soap-Sendezeit verbraucht, denn mehr gibt die Geschichte schlicht und ergreifend nicht her. Und obwohl es Iñárritu gekonnt versteht sein Publikum über die volle Distanz am ständigen Leiden seiner Figuren teilhaben zu lassen, verpufft sein, zugegeben gekonnter, Bluff am Ende genauso rasch, wie jene vermeintlichen 21 Gramm Seele beim Verlassen der weltlichen Welt.

Nicolas Ossberger