|
my architect (OV: dto.)
Start: 13.02.05
Länge:116 min
Von: Nathaniel Kahn (Buch & Regie), Robert Richman (Kamera)
Mit: Nathaniel Kahn, Louis Kahn, Frank O. Gehry, I.M. Pei, u.a.
Nathaniel
Kahn heftet sich in seiner für den Oscar als bester Dokumentarfilm
nominierten Stammbaumtherapie "My Architect" an die historischen
Fersen seines illegitimen Erzeugers Louis I. Kahn.
Man
sollte meinen, eine Dokumentation über einen Mann der die Architektur
des 20. Jahrhunderts nicht ganz unentscheidend mitgeprägt hat, neben
seiner Ehe noch Kinder mit drei weiteren Frauen hatte und schließlich
73-jährig, bankrott und für drei Tage unidentifiziert, in einer
New Yorker U-Bahnstation an den Folgen eines Herzinfarkts starb, wäre
eine dankbare Angelegenheit für jeden Filmemacher. Und vielleicht
wird auch tatsächlich einmal jemand kommen und all diese Fragmente
zusammenfassen, um der Nachwelt einen Einblick in das bewegte Leben des
1974 verstorbenen Architekten zu geben, doch "My Architect"
ist dieser Film nicht. Die genannten Fakten finden zwar allesamt Erwähnung,
zentrales Thema ist jedoch eindeutig Nathaniel Kahns Suche nach Antworten
auf das große Warum. Das mag sicherlich seinen therapeutischen Wert
haben, von nationalem Interesse ist es jedoch nicht. Weshalb "My
Architect" auch nur in jenen Momenten wirklich glänzen kann,
in denen sich Kahn Jr. auf die außergewöhnliche Lebensgeschichte
seines Vaters konzentriert und nicht, wie im Schlussakt, sein offensichtlicher
Wunsch ein letztes "Goodbye Daddy" ins Mikro zu raunen wieder
die Themenführerschaft übernimmt.
Nathaniel
Kahn reiste für "My Architect" zu allen großen Bauten
seines Vaters, sprach mit Wegbegleitern, Halbschwestern und Taxifahrern.
Wer sich Antworten erhofft, wird am Ende, so wie der Regisseur vermutlich
selbst, mit mehr Fragen dastehen als zu Beginn. Was einer Person, die
kurz vor ihrem Tode noch rasch ihren Namen aus dem Reisepass ritzte, vielleicht
gar nicht so unrecht sein dürfte.
Nicolas Ossberger
|