dolls (OV: dto.)

Start: 21.03.03
Lšnge: 113 min
Von: Takeshi Kitano (Regie)
Mit: Miho Kanno, Hidetoshi Nishijima, Tatsuya Mihashi, Chieko Matsubara, Kyoko Fukada, Tsutomu Takeshige, u.a.

Großes Kino aus dem Office Kitano. Ist man an sich ja gewohnt, sein aktuelles Werk setzt allerdings auch für seine Maßstäbe neue Standards. Mit "Dolls" schuf der japanische Meister nämlich eines der farbenfrohsten Kinowunder seit es bewegte Bilder gibt. Ein Film der den Begriff Augenschmaus neu definiert und dem Vorurteil in Kitanos Universum würde es nur Blau-Grau geben, entschlossen entgegen tritt.

Kitano schickt seine Figuren in drei Geschichten durch das von den Jahreszeiten gezeichnete Japan. Gleich zu Beginn lernen wir Sawako (Miho Kanno) und Matsumoto (Hidetoshi Nishijima) kennen, ein nicht nur auf den ersten Blick ungewöhnliches Paar. Die junge Frau ist nämlich, um nicht verloren zu gehen, mit einem langen Band an ihren Begleiter gebunden, da sie bei einem Selbstmordversuch ihren Verstand verloren hat. Der Grund: Matsumoto hatte sich auf Drängen seiner Eltern entschieden die Tochter seines Chefs zu heiraten. Erst am Altar wird ihm sein Fehler bewusst und rast deshalb, die Entehrung seiner Familie in Kauf nehmend, in Richtung Krankenhaus um mit der Liebe seines Lebens zusammen zu sein. Doch ein Zuhause gibt es für die beide nicht mehr. Mit einem solchen kann der alternde Yakuza-Boss Hiro (Tatsuya Mihashi) zwar aufwarten, alles andere vermisst er aber in seinem Leben. Vor gut 30 Jahren hatte er seiner Geliebten den Rücken zugewandt um Karriere zu machen, nicht ahnend, dass sie (Chieko Matsubara) ihr Versprechen, jeden Samstag im Park auf ihn zu warten, wahr machen würde. Zu guter Letzt wäre da dann noch Haruna Yamaguchi (Kyoko Fukada), ihres Zeichens Ex-Popidol und seit einem verhängnisvollen Unfall mit einer Bandage im Gesicht gestraft. Zurückgezogen von der Welt sitzt sie jeden Tag am Strand, weit weg von der Menschheit. Ein Umstand den ihr größter Fan Nukui (Tsutomu Takeshige) allerdings nicht mehr zu ertragen im Stande ist, weshalb er sich seine Augen aussticht, damit sie sich in seiner Gegenwart ob ihrer Entstellung nicht schämen muss.

Die Grundlagen für "Dolls" holte sich Kitano beim japanischen Puppentheater, dem Bunraku, der Geschichte liegt ein Werk von Chikamatsu zu Grunde. Große Vorgaben also, die der Japaner in seinem zehnten Langfilm allerdings ohne Probleme zu einer der schönsten Liebeserklärungen an das Leben und den Tod zusammen fügte. Leinwand only.

Nicolas Ossberger