femme fatale (OV: dto.)

Start: 28.03.03
Lšnge: 110 min
Von: Brian De Palma (Buch & Regie)
Mit: Rebbeca Romjin Stamos, Peter Coyote, Antonio Banderas, Eriq Ebouaney, Edouard Montoute, Rie Rasmussen, Thierry Frémont, u.a.

Wir erinnern uns. Brian De Palma. Da ging in letzter Zeit wenig ("Mission Impossible") bis gar nichts ("Mission To Mars", "Snake Eyes"). Doch wie's scheint, war der gute Mann offenbar all die Jahre nur ein Opfer widriger (Hollywood-)Umstände, denn sein neuer, zur Gänze in Frankreich entstandener, Film "Femme Fatale" zählt bis dato zu den wenigen echten Kino-Highlights des Jahres.

Seinen Charme verdankt "Femme Fatale" sicherlich zu einem Großteil der Tatsache, dass man von Minute 1 an spürt, dass hier jemand zum ersten Mal seit langer Zeit aus dem Vollen schöpfen konnte. De Palma, der nicht nur Regie geführt hat, sondern sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, dürfte in Frankreich jedenfalls Narrenfreiheit genossen haben, mit soviel narzisstischer Selbstbeweihräucherung kommt ansonsten nämlich nur noch Paul Verhoeven durch. Ausgangspunkt der Story ist ein großer Diamantencoup im Rahmen des Filmfestivals in Cannes. Während alle Anwesenden im Saale Régis Wargniers "Est - Ouest" bestaunen, vollführt unsere Femme Fatale Laure (Rebecca Romjin-Stamos) in einer herzzerreißend beknackten Szene am Damen-WC das Kunststück gleichzeitig ihre Liebhaberin zu verführen, deren Diamanten auszutauschen und die feuchten Träume eines gewissen 63-jährigen Regisseurs zu befriedigen. Was folgt ist mit das unterhaltsamste und ungebändigtste Kino seit sehr langer Zeit. Knapp zwei Stunden voller Plotholes von der Größe des Mariengrabens, irrwitzige Handlungssprünge und Schauspieler die vor lauter Spaß an der Sache jeden Moment zu platzen drohen. Aber auch technisch brilliert De Palma. Split-Screens, die gute alte Vogelperspektive und die wie eine Motte das Licht umkreisende Kamera - everything goes. Selbiges gilt auch für Rebecca Romjin-Stamos, welche gerade zu perfekt in diesen Film passt und einen nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass die Auflösung der Geschichte funktioniert.

Kurzum, "Femme Fatale" ist mit Sicherheit nicht jener Film, der De Palma den Mainstream-Erfolg zurückbringen wird, dazu ist sein Ansatz einfach viel zu ausgelassen, die Bildsprache zu pointiert, die Terminologie zu "nerdig". Nichts desto trotz ist ihm hier sein erstes wirklich gutes Werk seit sehr langer Zeit gelungen, ein Umstand, den ihm nicht mehr viele, der Schreiber dieser Zeilen inklusive, zugetraut hätten. Da capo!

Nicolas Ossberger