gothika (OV: dto.)

Start: 19.03.04
Lšnge: 98 min
Von: Mathieu Kassovitz (Regie); Sebastian Gutierrez (Buch)
Mit: Halle Berry, Robert Downey Jr., Charles S. Dutton, John Carroll Lynch, Bernard Hill, Penélope Cruz, Dorian Harewood, Bronwen Mantel, u.a.

Mathieu Kassovitz wollte es nach seinem internationalen Erfolg mit "Les rivières pourpres" wohl ganz genau wissen wie der Hase läuft in Hollywood. Angesichts des formidablen Eigentors mit Titel "Gothika" kann man für den Franzosen nur hoffen, dass er seine Lektion gelernt hat.

Vom großspurig angekündigten "System von innen zerstören" ist jedenfalls nicht mehr viel übrig geblieben, bietet das US-Debüt des 36-jährigen Parisers doch noch nicht einmal Durchschnittsware. Weder optisch noch inhaltlich wird ein Klischee ausgelassen und selbst die technisch perfekt in Szene gesetzten Kamerafahrten von Matthew Libatique führen zumeist geradewegs ins sinnentleerte Off. Abseits des bemüht auf mysteriös getrimmten Plots rund um eine Gefängnis-psychologin die sich urplötzlich auf der falschen Seite des Gitters wiederfindet, liegt der Hund aber vor allem in der - angesichts der Umstände zugegebenermaßen schwer aufrecht zu erhaltenden - Glaubwürdigkeit der Charaktere begraben. Halle Berry zuckt, kreischt und visioniert zwar fleißig vor sich hin, auf das Gefühl sich auf ihre Seite schlagen zu müssen wartet man dennoch vergebens. Ohne Erinnerung an die letzten Stunden (dafür aber mit einer zünftigen Mordklage am Hals) sitzt Dr. Grey also plötzlich am kürzeren Ast und lerntwie es ist, wenn einem keiner glaubt, wird sie doch nun von den selben Bildern heimgesucht, die sie bei ihrer ehemalige Patientin und jetzigen Mitinsassin Chloe Sava (Penelope Cruz) einst als Psychose diagnostiziert hat. Kassovitz lasst seine Figuren dabei so lange um den für jeden offensichtlichen heißen Brei herum reden, dass man zum Zeitpunkt der peinlich-berührenden Erklärungsversuche schon längst jedwedes Interesse verloren hat.

Augenscheinlich im Fahrtwasser des Erfolges von "The Ring" entstanden, kann "Gothika" kaum mehr als ein paar optische Spielereien auf seiner Habenseite verbuchen. Stattdessen belegt der Film wieder einmal deutlich, dass das Mystery-Genre dringend kreativen Impulse benötigt. Impulse die man sich vielleicht durch Kassovitz erhofft, aber definitiv nicht bekommen hat.

Nicolas Ossberger