die unbarmherzigen schwestern (OV: the magdalene sisters)

Start:11.04.03
Lšnge: 119 min
Von: Peter Mullan (Regie)
Mit: Geraldine McEwan, Anne-Marie Duff, Nora-Jane Noone, Dorothy Duffy, u.a.

Peter Mullan verspricht mit seinem, in Venedig mit dem Goldenen Löwen bedachten, aktuellen Werk "The Magdalene Sisters" mehr, als er schlussendlich zu geben bereit ist. Denn auch wenn die politische Linie klar und unmissverständlich ankommt, scheitert der Film dennoch an seiner eindimensionalen Umsetzung.

Nur zur Beginn, bei der Einführung seiner drei Hauptfiguren, lässt Mullan aufblitzen, was theoretisch alles möglich gewesen wäre. Das schweigende Grauen, wie es beispielsweise Margaret (Anne-Marie Duff) wiederfährt, als sie nicht nur Opfer einer Vergewaltigung wird, sondern danach auch noch mit ansehen muss, wie innerhalb von Minuten über ihre Zukunft entschieden wird. Weder sie, noch das Publikum, kann hören was gesagt wird, dennoch ist klar, hier passiert nichts Gutes. Ähnlich auch die Schicksale ihrer beiden Leidensgenossinnen Bernadette (Nora-Jane Noone) und Rose (Dorothy Duffy), deren einzige "Sünde" darin bestehen im Waisenhaus die Blicke der jungen Männer aus sich zu ziehen bzw. ein uneheliches Kind zur Welt gebracht zu haben. Alle drei Mädchen werden von ihren Familien in ein Kloster des (Maria) Magdalena-Konvents abgeschoben, ein Ort, an dem die Äbtissin ein hartes Regime führt, bei dem Demut, Bestrafung und psychologischer Terror an der Tagesordnung stehen. Doch wo zu Beginn das (familiäre) Grauen noch spürbar war, verkommt das Leiden der Klosterinsassen schon bald zur moralischen Anschauungsübung. Man fühlt sich beinahe an die sich Mitte der Siebziger großer Popularität erfreuenden Frauengefängnisfilme zurück erinnert. Wie in jenen unsäglichen Werken wird auch hier gebetsmühlenartig jede nur erdenkliche Strafe heruntergebetet, vom Rohrstab bis zur kollektiven Demütigung. Irgendwann stöhnt man nur noch, denn spätestens nach der dritten Züchtigung dürfte es auch der Letzte mitbekommen haben, was hier das Anliegen des Regisseurs ist.

Was bleibt, ist die Tatsache, dass, bei all seiner repetativen Keulenmentalität, "The Magdalene Sisters" natürlich nach wie vor ein politisch heißes Eisen ist. Der Aufschrei des Vatikans nach der Preisverleihung in Venedig belegt jedenfalls, dass der Film durchaus seine Daseinsberechtigung besitzt und geradezu perfekt in eine Zeit passt, in der diverse halblustige Menschen wieder ernsthaft eine Verankerung des lieben Gottes in der Verfassung fordern und gerne dem Islam das alleinige Vorrecht auf die Unterdrückung von Frauen ausstellen.

Nicolas Ossberger