kill bill vol. 2 (OV: dto.)

Start: 22.04.04
Lšnge:136 min
Von:Quentin Tarantino (Buch & Regie); Robert Richardson (Kamera)
Mit: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Gordon Liu, Michael Parks, Perla Haney-Jardine, Helen Kim, Claire Smithies, u.a.

Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt den Löffel abgibt, konnte man selbst dem zweiten Teil von Quentin Tarantinos Rache-Oper "Kill Bill" mit ein klein wenig Zweckoptimismus entgegen blicken. Zu mehr als einem kunterbunten Fallbeispiel in Sachen Wurschtigkeit langte es schlussendlich aber auch diesmal nicht.

Denn auch wenn Tarantino im Falle von "Vol. 2" deutlich auf die Bremse tritt und seinen Figuren dabei sogar Zeit für so etwas wie richtige Dialoge gibt, reduziert sich das Geschehen dann doch immer wieder auf biederstes Zitateraten. David Carradine packt wie selbstverständlich seine Flöte aus, Daryl Hannah zappelt in bester Bladerunner-Tradition am Boden herum und Michael Madsen liefert überhaupt gleich einen kompletten Querschnitt seines Schurken-Backkataloges ab. Was im ersten Teil zumindest noch als willkürliche Aneinanderreihung Tarantinoscher Faibles zu akzeptieren war, nimmt in der Fortsetzung fast schon ärgerliche Züge an, offenbart diese Herangehensweise doch wahlweise das Desinteresse oder das Unvermögen den einzelnen Figuren etwas ähnliches wie Ernsthaftigkeit oder Tiefe zu verpassen. Kaum bietet sich die Gelegenheit einer emotionellen Auseinandersetzung - insbesondere das lange herbeigesehnte Aufeinandertreffen von Braut und Bill ist hiervon drastisch betroffen - kann man davon ausgehen, dass die nächste Wuchtl (i.e. "Superman-Theorie") schon hinter der Hausbar lauert. Das ist nicht nur dramaturgisch eine Katastrophe, sondern hinterlässt auch hinsichtlich es Gesamtwerkes den bitteren Beigeschmack der Vercoolisierung um jeden Preis.

"Kill Bill Vol.2" bestätigt schlussendlich Tarantinos Vorherrschaft wenn es um den Einsatz von Musik und das Ausgraben alter Legenden wie den alles und jeden an die Wand spielenden Carradine geht. Ob er jedoch jemals in der Lage sein wird, einen ganzen Film lang ohne egotrippender Selbstreferenzierung auszukommen muss stark bezweifelt werden.

Nicolas Ossberger