| good bye lenin (OV: dto.)
Start: 09.05.03
Länge: 119 min
Von: Wolfgang Becker (Regie)
Mit: Daniel Brühl, Katrin Sass, Chulpan Khamatova, Maria Simon, u.a.
Deutschland
gibt sich wieder einmal dem cineastischen Siegestaumel hin. Ja, wenn es
um das abfeiern eigener Produktionen geht, da macht unseren nördlichen
Kollegen so schnell keiner etwas vor. In den vollen Genuss dieser verscheuklappten
Selbstgefälligkeit kommt derzeit Wolfgang Beckers "Good Bye
Lenin", ein Film über den Osten wie ihn nur der Westen verbocken
konnte.
Irgendwie
kommt man sich wie in einem aus den Fugen geratenen Werbespot für
ausgediente Ost-Marken vor, so penetrant wird einem hier von allen Beteiligten
auf's Auge gedrückt, dass wirklich sämtliche Details bis zur
letzten Konsequenz durchdacht und zusammengetragen wurden. Wer bis heute
noch nie etwas von Spreewald-Gurken gehört hort - nach der Sichtung
von "Goodbye Lenin" wird man sie nie wieder vergessen. Liest
sich die Geschichte der Papierform nach noch relativ unterhaltsam - Mutter,
engagierte Sozialistin, verschläft im Koma die Wende, Sohn versucht
ihr nach ihrem Aufwachen vorzugaukeln die DDR würde nach wie vor
existieren - verkommt sie innerhalb kürzester Zeit zu einem reinen
Ostalgie-Schaulaufen. Was eigentlich das Potential zum anspruchsvollen
Film hätte, begnügt sich mit einer melodramatischen Familiengeschichte,
stereotypischen Ost/West-Klischees und einer völlig deplaziert wirkenden
Liebesgeschichte. Gelacht wird über das Wiedererkennen zurechtgebogener
Wende-Geschichte, geweint, weil, soviel gesteht Wolfgang Becker seinen
Figuren am Ende gnädigerweise zu, ja auch Ostdeutsche nur Menschen
sind.
Immer
so wie man es braucht. Dies scheint die oberste Devise bei den Dreharbeiten
zu "Goodbye Lenin" gewesen zu sein. Eben noch musste der Sozialismus
als Terrorregime herhalten, schon fungiert er ausschließlich als
Comic Relief für das "Sonnenallee"-gestählte Publikum.
Kein Wunder also, dass es dem Film nicht nur an Glaubwürdigkeit mangelt,
sondern einem die Reproduktion sämtlicher Ost-Klischees schon bald
den letzten Nerv zieht. Nichtlustig.de.
Nicolas Ossberger
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