matrix reloaded (OV: dto.)

Start: 22.05.03
Lšnge:138 min
Von: Andy Wachowski & Larry Wachowski (Regie)
Mit: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving, Monica Bellucci, Matt McColm, Jada Pinkett Smith, Randall Duk Kim, u.a.

Mit Erwartungshaltungen ist das so eine Sache. Sind sie zu hoch, steht die Gefahr einer Enttäuschung Gewehr bei Fuß, sind sie zu nieder, setzt schon bald der gute alte Wurschtigkeitseffekt ein. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten derzeit die Wachowski Bros mit dem zweiten Teil ihrer Matrix-Trilogie an - indem sie in 138 Minuten den traurigen Beweis abliefern, dass die Eulen tatsächlich nicht sind was sie scheinen.

Wir erinnern uns. 1999. Das Jahr in dem eine Hollywood-Produktion es nach Jahren gescheiterter Versuche endlich geschafft hatte die ästhetische Gewaltzelebrierung des asiatischen Heroic Bloodshed Genres in ein westlichen Sci-Fi-Konzept zu integrieren. Der Erfolg blieb nicht aus. "Matrix" avancierte innerhalb kürzester Zeit vom Liebhaberwerk zum Kassenknüller und Blockbuster in Sachen Zweitverwertung. Schon bald sprach man nur noch von "Matrix-Szenen" tauchten irgendwo SloMo-Aufnahmen auf und sogar die Ledermantelbranche erlebte ein unerwartetes Comeback. Doch dann kamen die Geeks. Auf einmal war der Film nicht mehr nur einfach ein schön anzusehender Action-Film, nein, eine weitgreifendere Bedeutungsebene musste her. Philosophische Interpretationen begannen die Fansites dieser Welt zu überschwemmen, immer wieder durch kleine Appetithäppchen angeleiert und gesteuert aus dem Hause Wachowski. Vier Jahre später hatten Fans und Macher ihr Produkt auf einen derart hohen Sockel gestellt, dass die Fortsetzung der Geschichte nur noch entweder zum infernalischen inhaltlichen Desaster oder ausschließlich auf das Box-Office-technisch wohl weniger relevante Klientel der Philosophieprofessoren hin produziert werden konnte. Man entschied sich wenig überraschend für Tor 1.

Den ersten großen Fauxpas leistet sich "Matrix Reloaded" mit dem Versuch zeigen zu wollen für wen hier eigentlich gekämpft wird, sprich den kleinen verbliebenen Rest der Menschheit. Doch wenn Morpheus zu "seinem" Volk spricht, ist Führerkult und "Wollt ihr den totalen Krieg" nur noch einen Steinwurf entfernt. War Neo (Keanu Reeves) im ersten Teil noch der strahlende Jungheld, so wandelt er jetzt auf den Spuren von Jesus, dem Erlöser. Und als ob dies alles noch nicht schlimm genug wäre, ist das humanoide Pack auch noch zur kollektiven Partygesellschaft mutiert und veranstaltet in dunklen Höhlen fröhliche Cave-Raves. Nach 45 Minuten ist man kurz davor sich zu wünschen, die Maschinen würden dem Treiben nun endlich ein für alle mal ein Ende bereiten. Und kurz bevor man sich zu fragen beginnt wo den eigentlich die 300 Millionen Dollar Budget hinverschwunden sind, hagelt der optische Supergau auch schon auf einen ein. Da reicht das Spektrum dann von bedenklich lächerlich (Neo vs. unzählige Agents) bis verdammt spektakulär (am Freeway ist die Hölle los).

Sein endgültiges Waterloo erlebt das Matrix-Universum allerdings beim Versuch dem selbst aufoktroyierten Anspruch philosophisch fundiert zu sein gerecht zu werden. Die Konversation zwischen Neo und dem Architekten der Matrix gehört jedenfalls mit zu den größten ST:TNG Hommagen aller Zeiten, auch wenn zu befürchten steht, dass selbst hinter diesen leeren Worthülsen noch jemand etwas Tiefschürfendes entdeckt.

Nicolas Ossberger