punch-drunk love (OV: dto.)

Start: 23.05.03
Lšnge: 89 min
Von: Paul Thomas Anderson (Buch & Regie)
Mit: Adam Sandler, Emily Watson, Luis Guzmán, Philip Seymour Hoffman, u.a.

Adam Sandler in einem Film von P.T.Anderson. Ein Satz den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Fleischgewordene Unlustigkeit versus gefeiertes Regiegenie. Ein Clash of the Titans der ganz besonderen Art, einer der für beide Partein ein sonst wohl auf ewig unerreichbares Zielpublikumsneuland erschließen konnte.

Die Ironie an der ganzen Sache ist natürlich, dass sich die Figur des Barry Egan nur marginal von jenen unterscheidet, mit denen Sandler seit Jahren Millionen und Abermillionen scheffelt. Leicht zurückgeblieben wirkend, ruhig und nett eben. Neu hingegen ist, dass es plötzlich auch eine dunkle Seite gibt, welche sich hier in spontanen, unkontrollierten Gewaltausbrüchen manifestiert. Auch scheint Barrys Leben zur Gänze aus Episoden zu bestehen, zumindest wenn man den grellbunten Bildern die einem da entgegengeflimmert kommen trauen darf. Was natürlich komplett konträr zu Andersons Opus Magnum "Magnolia" steht, dem wohl konstruiertesten Werk der Filmgeschichte. Die einzigen wirklichen Fixpunkte sind ein gleich zu Beginn des Films äußerst spektakulär eingeführtes Harmonium und unzählige ungeöffnete Puddingbecher, mit deren Hilfe Barry gedenkt sich einen Lebensvorrat an Gratisflugmeilen zu erwirtschaften. Und so beobachten wir ihn, im Kreise seiner sieben Schwestern, bei einem in einer mittelschweren Katastrophe endenden Sexhotline-Anruf, als er sich in Lena (Emily Watson) verliebt.

Das P.T. Anderson eine ausgeprägte Ader fürs Visuelle hat, davon konnte man sich in den letzten Jahren ja zur Genüge überzeugen. Mit "Punch-Drunk Love" geht er allerdings noch einen gehörigen Schritt weiter. Hier vermittelt beinahe ausschließlich das Zusammen- bzw. Gegeneinanderwirken von Ton, Musik und Bild die emotionellen und psychologischen Zustände der Figuren, während ihre fleischlichen Hüllen zu kaum mehr fähig sind, als ein Restaurant-WC in Schutt und Asche zu legen.

Nicolas Ossberger