| jazzclub - der frühe vogel
fängt den wurm
(OV: dto.)
Start: 14.05.04
Länge: 84 min
Von: Helge Schneider (Buch & Regie)
Mit: Helge Schneider, Pete York, Jimmy Woode, Susanne Bredehöft,
Andreas Kunze, Eddy Kante, Anita Riotte, Peter Thoms, Charlie Weiß,
u.a.
Gut
Ding will bekanntlich Weile haben. Die ganz Guten erst recht. Womit auch
schon erklärt wäre, weshalb sich Helge Schneider geschlagene
sieben Jahre Zeit gelassen hat um endlich Hand an den langersehnten Nachfolger
zu "Praxis Dr. Hasenbein" zu legen.
Vielen
ist der deutsche Ausnahmekünstler bekanntlich auch heute noch ein
Dorn im humorlosen Auge - ein zum Kopfschütteln verleitender Zustand,
gegen den allerdings auch das neueste Werk des Meisters kaum Abhilfe schaffen
wird. Ganz im Gegenteil, denn "Jazzclub" ist die reine Lehre,
Helge in seiner bisher pursten Form. Als Heimatfilm will er ihn verstanden
wissen, ein Abgesang an die Provinz ist es geworden. Grau in grau wohin
man schaut, kein Wunder dass Teddy Schu (Helge Schneider) nur beim abendlichen
musizieren mit Howard Risk (Drum-Legende Pete York) und Steinberg am Bass
(Jimmy Woods) wirklich zum Leben erwacht. Tag und Nacht schuftet er als
Zeitungsausträger, Call-Boy, Simmel-Vorleser, Fischverkäufer
- nur um zu Hause dann von seiner Frau (Susanne Bredehöft) doch nicht
verstanden zu werden, wenn es heißt "Ich geh' jetzt zum Jazz,
Schatz ". Und selbst diese kleine Oase des Glücks scheint ihm
nicht vergönnt zu sein, denn als Clubbesitzer Willi plötzlich
den Löffel abgibt, steht das Trio plötzlich samt ihren Instrumenten
auf der Straße. Last Exit: Milchstraße.
"Jazzclub"
ist Schneiders Meisterstück. Ein Abziehbild des modernen Unglücklichseins,
dessen einzige Hoffnung auf Erlösung in einer weit entfernten Galaxie
beheimatet ist. Das der Film dabei nicht ausschließlich nur aus
den beiden schneiderischen Selbstläufern Musik und Klamauk schöpft,
sondern auch mit Inhalten punkten kann, ist in dieser Form sowohl neu,
als auch beindruckend großartig.
Nicolas Ossberger
|