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tan de repente (OV: dto.)
Start: 28.05.04
Länge: 94 min
Von: Diego Lerman (Buch & Regie)
Mit: Tatiana Saphir, Carla Crespo, Verónica Hassan, Marcos Ferrante,
Maria Merlino, Beatriz Thibaudin, u.a.
Das
argentinische Kino hat es in den letzten Jahren mit zahlreichen hervorragenden
Produktionen geschafft, sich wieder zurück ins internationale Blickfeld
zu kämpfen. Angesichts der tristen ökonomischen Lage im Land
und der damit einhergehenden Arbeitsverhältnisse für Filmemache
eine bemerkenswerte Leistung. Eines der zentralen Werke dieser Wiederauferstehung
ist nun ab sofort auch regulär in den heimischen Kinos zu bewundern.
Im
Mittelpunkt von Diego Lermans "Tan de Repente" stehen zwei impulsive
Riot-Grrrls namens Mao (Carla Crespo) und Lenin (Verónica Hassan)
und die pummelige Marcia (Tatiana Saphir), deren Alltag durch Monotonie
und Einsamkeit geprägt ist. Ohne Widerstand lässt sich Zweitere
vom Fleck weg vom lesbischen Punkparächen entführen, denn alles
scheint besser zu sein als weiterhin Unterwäsche zu verkaufen. Gemeinsam
macht sich die ungewöhnliche Reisegruppe auf in Richtung Meer, auf
zu einem durch Impulsivität und zufälligen Begegnungen geprägten
Road-Trip. Für Marcia eröffnet sich eine neue Welt, weshalb
sie das Angebot nach Buenos Aires zurückkehren zu dürfen ablehnt
und stattdessen ihre vermeintlichen Peinigerinnen zu Lenins Großmutter
Blanca (Beatriz Thibaudín) begleitet. Es ist ein Aufeinanderprallen
von Lebensweisheiten, als die drei jugendlichen Großstädterinnen
in Dialog mit den alten Dorffrauen treten. Und auch an neuen Erfahrungen
soll es nicht mangeln...
Der
Vergleich zu Jim Jarmuschs Frühwerk liegt nahe, denn in seinem grobkörnigen
Schwarz-Weiß erinnert "Tan de Repente" nicht selten an
"Stranger than Paradise". Das Tempo ist gemächlich, der
Witz trocken und Argentiniens Status Quo irgendwo zwischen zerbrechlicher
Schönheit und Verfall stets mitschwingend. Ein bemerkenswertes Erstlingswerk
und liebesvolles Kleinod.
Nicolas Ossberger
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