the punisher (OV: dto.)

Start: 10.06.04
Lšnge:124 min
Von: Jonathan Hensleigh (Buch & Regie); Michael Tolkin (Buch)
Mit: Thomas Jane, John Travolta, Rebecca Romijn-Stamos, A. Russell Andrews, James Carpinello, Jeff Chase, Mark Collie, Hatcher Flaschen, u.a.

Kein Monat mehr ohne Marvel- oder DC-Verfilmung, wie's scheint. Aktuellstes Opfer dieser Verwurstungsmaschinerie ist "The Punisher", ein schon in seiner Comic-Form nicht gerade wegweisendes Elaborat aus Testosteron und Selbstjustiz, welches durch Jonathan Hensleighs matte Aufzelluloidbannung nicht gerade an Relevanz hinzu gewinnt.

Was den Punisher der Papierform nach vom Gros der regulären Superhelden abhebt, ist der Umstand, dass er ohne außerirdische Superkräfte, Tier-DNA oder ähnlich hilfreiche Gimmicks auskommen muss. Alles was den Mann mit dem Totenkopf-T-Shirt antreibt, ist der Wunsch nach Rache und sein nicht ganz gesetzeskonformer Gerechtigkeitswahn. Wie bei so vielen seiner Kollegen, beginnt auch die Geschichte von Frank Castle mit einer persönlichen Tragödie. Als er nämlich eines Tages seinen Job als FBI-Agent ein wenig zu gründlich erledigt und bei einer Gefangennahme der Sohn des Nobel-Gangsters Howard Saint (John Travolta) getötet wird, schwört dieser grausame Rache in Form eines Familienfest-Massakers. Frau, Kind und der Rest der Verwandtschaft sterben, nur Castle selbst überlebt schwer verletzt (und totgeglaubt) den Anschlag. Was folgt ist ein gut zweistündiger Amoklauf mit jeder Menge Bullettime, Blut und bescheuerten Nebenfiguren. Immer hart am Rande der ungewollten Lustigkeit, wankt Castle von Kampf zu Kampf, ohne dabei auch nur auf einen abgedroschenen One-Liner zu verzichten. Das sich seine Taten dabei kaum von jenen des zu bekämpfenden Mafiabosses unterscheiden, scheint beim Scripten kein großes Thema gewesen sein.

Wenn sich "The Punisher" schon nicht als gelungenes Exempel funktionierender Kino-Action anführen lässt, dann doch zumindest als Paradegrund, weshalb man von Zeit zu Zeit doch lieber zur Graphic Novel greifen sollte. Eine Comic-Verfilmung, wie sie die Menschheit wohl nicht gebraucht haben dürfte.

Nicolas Ossberger