voll frontal (OV: full frontal)

Start: 03.07.03
Lšnge: 101 min
Von: Steven Soderbergh (Kamera & Regie)
Mit: Blair Underwood, Julia Roberts, David Hyde Pierce, Catherine Keener,
Mary McCormack, David Duchovny, u.a.

Da hat es Herrn Soderbergh aber wohl wieder einmal gepackt. Zumindest erweckt "Full Frontal" diesen Eindruck, auch wenn das Ergebnis schließlich und endlich mehr wie ein verzweifelter Versuch wirkt, sich krampfhaft seinen in artsy tartsy Kreisen verloren gegangenen Ruhm zurück zu erobern.

Zu viel mehr als einer ordentlichen Portion Name Dropping (Uh, it's David Fincher!), noch dazu in phasenweise wirklich schon bedenklich schlechter Videoqualität (Soderbergh reaktivierte sein Alter Ego Peter Andrews), hat es jedenfalls nicht gereicht. Im Grunde soll "Full Frontal" aber wohl auch nicht viel mehr als einen kleinen In-Joke zwischen Freunden und Kollegen darstellen. Ganz nebenher dringt allerdings auch ein beinahe schon wehmütiger Blick zurück in die Anfangstage des Regisseurs durch, in eine Zeit als er ähnlich grobkörnig mit "Sex, Lies and Videotape" sein Debüt hinlegte. Angesichts des Scheiterns von "Full Frontal" trotz unzähliger verschachtelter Handlungsstränge tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, bleibt nur die Schlussfolgerung (respektive Hoffnung), dass sich Soderbergh hier schlicht und ergreifend auf maximal prätentiöse Art und Weise über die Unterhaltungs- und Medienbranche lustig machen wollte. Die Alternative zu dieser These wäre nämlich eine traurige.

Was bleibt, ist eine durch den Wind geschossene Cast die phasenweise ebenso verwirrt wirkt, wie ihr Publikum und ein nie über den Status des Bemühten hinaus kommender Narzissmus, der jeden anderen Hollywood-Regisseur mit ziemlicher Sicherheit stante pede auf die schwarze Liste katapultiert hätte.

Nicolas Ossberger