hulk (OV: dto.)

Start: 04.07.03
Lšnge: 138 min
Von: Ang Lee (Regie), James Schamus (Buch)
Mit: Eric Bana, Jennifer Connelly, Sam Elliott, Nick Nolte, u.a.

Einen Lehrfilm sollte man eigentlich daraus machen. Titel: "Wie torpediere ich einen potentiellen Sommerblockbuster mit Style". Wer auch immer die Entscheidung traf, den Herren Lee und Schamus die Adaption des Marvel-Comics "Hulk" anzuvertrauen, hat nicht nur auf ewig einen Stein bei mir im Brett, nein, der Zorn des Sommerkinopopcornvolkes dürfte dieser Person wohl ebenso sicher sein.

Wer bis dato die freudige Erwartung hatte mit 2,5 Stunden Non-Stop-Action gefüttert zu werden, sollte lieber gleich die Segeln streichen und einen ganz großen Bogen um "Hulk" machen. Hier ist nämlich rein gar nichts so, wie in all den anderen Comicverfilmungen der letzten Jahre. Es fängt schon bei der Optik an, gelang Ang Lee doch erstmals das bisher nicht für möglich gehaltene: die Erzählstruktur der gezeichneten Bilder authentisch auf die große Leinwand zu transportieren. Da überschneiden sich die Einstellungen, frieren ein und zerspringen gleich wieder in zahllose weitere Splitscreens dass es nur so eine Freude ist.

Und da ist dann natürlich noch die Sache mit der Action. Wer nämlich geglaubt hat das Duo Lee/Schamus, immerhin schon verantwortlich für charaktergeschwängerte Dramen der Marke "Crouching Tiger, Hidden Dragon", "The Ice Storm" oder "Eat Drink Man Woman", würde es sich einfach machen und den guten Hulk einfach durch die Gegend toben lassen, der wird hier eines Besseren belehrt werden. Über eine Stunde dauert es, bis die Farbe Grün überhaupt erst einmal in Aktion tritt - ein totaler Affront natürlich gegen das Zielpublikum, der allerdings noch einmal dadurch getoppt wird, dass zu jenem Zeitpunkt als die Sache dann wirklich ins Rollen gerät, die klassische Good vs. Evil Konstellation längst sämtliche Pfade der Offensichtlichkeit verlassen hat.

Ankreiden muss man "Hulk" allerdings seine Überlänge von 138 Minuten. Anders als zum Beispiel bei "Tiger & Dragon", fehlt es den Charakteren einfach an jenem Tiefgang, der solch eine exzessive Figurenstudie, wie von Lee hier zelebriert, rechtfertigen würde. Selbst ein Nick Nolte in Hochform kann dagegen schlussendlich kaum noch etwas ausrichten. Was bleibt, ist die bis dato optisch spannendste Hollywood-Annäherung an klassisches Comic-Material und von daher definitiv sehenswert.

Nicolas Ossberger