bollywood hollywood (OV: dto.)

Start: 08.08.03
Lšnge: 106 min
Von: Deepa Mehta (Buch & Regie)
Mit: Rahul Khanna, Lisa Ray, Moushumi Chatterjee, Dina Pathak, u.a.

Bollywood und kein Ende. Nachdem sich in den letzten Jahren wohl kaum noch jemand den zahlreichen Schauen entziehen konnte, beginnen nun die Exil-Inder zurück zu schlagen. Im Falle der in Kanada lebenden Regisseurin Deepa Mehta und ihrem Film "Bollywood Hollywood" schaut dabei allerdings leider nur wenig mehr als ein multikulturelles Crossover aus "My Big Fat Greek Wedding" und "Pretty Woman" heraus.

Dabei hätte man gerade von Mehta eigentlich einen weitaus kritischeren Blick auf die streng reglementierte Bollywood-Welt erwarten können. Immerhin wurde sie und ihre Filmcrew bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film von den Behörden aufgrund vermeintlich antipatriotischer und hindufeindlicher Inhalte des Landes verwiesen. Doch stattdessen setzt sie uns eine sich nur bedingt gesellschaftskritisch auseinandersetzende Komödie vor, welche zwar geschickt mit den kulturellen Klischees spielt, darüber hinaus aber kaum Tiefgang besitzt. Und so beobachten wir, wie der, natürlich aus wohlhabenden Hause stammende, Rahul (Rahul Khanna) entgegen allen Regeln eine weiße Frau ehelichen möchte, die allerdings Opfer eines klassischen Freak Accidents wird und damit die Mutter des Trauernden auf den Plan ruft, für ihn so schnell wie möglich eine anständige Inderin zu finden. Um dieser Zwangsbeglückung zu entgehen und der Drohung, dass die Hochzeit seiner schwangeren Schwester abgesagt werden würde, sollte er nicht rasch eine akzeptable Braut nach Hause bringen entgegen zu wirken, engagiert Rahul die Hostess Sunita (Lisa Ray) um seine neue Partnerin zu mimen. Ende Bollywood, Vorhang auf Hollywood, denn natürlich verlieben die beiden sich in einander, was allerdings nach den unzähligen Lügen die der Familie aufgetischt wurden um das Täuschungsmanöver glaubhaft zu machen, die Angelegenheit nur verkompliziert.

Bis zum unausweichlichen Happyend gilt es zahlreiche Binsenweisheiten zu ertragen, welche angesichts des an Ethno-Witzeleien sowieso schon nicht armen Plots, die Angelegenheit nicht gerade unterhaltsamer machen. So kommt es, dass "Bollywood Hollywood" seinen stärksten Moment bezeichnenderweise zu jenem Zeitpunkt hat, als sich Deepa Mehta für einen Augenblick ganz dem genretypischen Tanz- und Gesangspomp hingibt und der Film kurzfristig jene Magie verströmt, die er eigentlich zu karikieren versuchte.

Nicolas Ossberger