| nicht auflegen! (OV: phone booth)
Start: 08.08.03
Länge: 81 min
Von: Joel Schumacher (Regie), Larry Cohen (Buch)
Mit: Colin Farrell, Forest Whitaker, Radha Mitchell, Katie Holmes, u.a.
Die
Telefonzelle als Vorhof zur Hölle. Wie einst schon von Alfred Hitchcock
in "The Birds" perfekt vorexerziert, lässt auch Joel Schumacher
in seinem neuen Thriller "Phone Booth" dem Panik-Potential der
hilflosen Beengung freien Lauf. Zum Leidwesen von Colin Farrell.
In
der Rolle des Medien-Agenten Stu Shepard kann er es sich nämlich
leider nicht verkneifen ein klingendes Telefon von seinem Leid zu erlösen.
Auch nicht, wenn es sich dabei um die letzte öffentlichen Telefonzelle
am Times Square handelt, von welcher er tagtäglich seine heimliche
Liebschaft (Katie Holmes) mit einem Anfruf beglückt. Kein Wunder
also, dass er nicht widerstehen kann, als es beim Verlassen der Zelle
plötzlich zu ringeln beginnt. Doch am anderen Ende ist nicht Pamela,
sondern eine fiese Stimme die ihm erklärt, er würde sterben,
sobald er auch nur einen Schritt aus der Tür hinaus macht. Schon
bald stellt sich heraus, dass die Person am anderen Ende der Leitung den
selbstgefälligen Stu besser zu kennen scheint, als diesem lieb ist.
Von Minute zu Minute wird die Situation bedrohlicher, macht der der Unsichtbare
doch keinen Hehl daraus, dass er in der Position ist, die Situation seines
Opfers in Sekundenbruchteilen zu verschlimmern. Zuerst muss die Ware eines
Straßenverkäufers dran glauben, danach Stu's Ohrläppchen.
Es eskaliert, als der Anrufer einen Zuhälter über den Haufen
schießt, es für alle Umherstehenden aber so aussieht als hätte
der verschwitzte, blutende Mann in der Telefonzelle die Tat verübt.
Nach dem Eintreffen der Cops, und nun mehr als nur einer Waffe auf sich
gerichtet, muss Stu erkennen, dass er heute sterben wird, sollte er der
Forderung seines Henkers nicht nachkommen und seine Sünden vor laufender
Kamera beichten.
Es
wäre kein Schumacher Film wenn einem das Ende nicht den halben Spaß
verderben würde. So muss am Ende aus dem hinterfotzigen Menschenausnützer
natürlich ein geläuterter Mann werden, eine aufgesetzte Moral,
die "Phone Booth" eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte.
Was dennoch bleibt ist kurzweiliges und trotz der optischen Unausschlachtbarkeit
einer Telefonzelle optisch perfekt inszeniertes Mainstreamkino.
Nicolas Ossberger
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