| blueberry und der fluch der dämonen
(OV: blueberry)
Start: 13.08.04
Länge:145 min
Von: Jan Kounen (Buch & Regie); Tetsuo Nagaka (Kamera)
Mit: Vincent Cassel, Michael Madsen, Juliette Lewis, Ernest Borgnine,
Djimon Hounsoum, Colm Meaney, u.a.
Fear
and Loathing in der Prärie. Ohne Äther, dafür mit jeder
Menge Psilocybin im Blut. "Doberman"-Regisseur Jan Kounen hat
sich Jean Girauds "Blueberry" angenommen und den über vier
Jahrzehnte gewachsenen Comic-Zyklus in einer 2,5-stündigen Bildorgie
zusammengefasst.
Es
gibt Momente in "Blueberry", die einem fast dazu verleiten könnten
zu glauben man sitze tatsächlich in einer geradlinigen Western-Adaption.
Wenn Michael Madsen in bester Sergio Leone-Manier Vincent Cassels Stadt
betritt, ein Ernest Borgnine seinen Rollstuhl durch den Dreck schiebt
oder Colm Meaney versucht die Balance zwischen seinen beiden örtlichen
Funktionen als Trunkenbold und Hilfssheriff zu waren. Doch die Realität
sieht anders aus, denn was sich hier als archetypisches Racheepos feat.
Romanze anlässt, gerät mit Fortdauer zum psychogensten Kinoerlebnis
seit langer Zeit. Die Legende will es, dass Kounen vor Beginn der Dreharbeit
bei peruanischen Schamanen einkehrte, um deren Wege und Mittel zur Erweiterung
von Geist und Seele zu erforschen. Mit dem Ergebnis, dass der Franzose
sein weiteres Tun als Regisseur ad acta legte und erst mühsam von
Vincent Cassel dazu überredet werden musste, die Arbeit an "Blueberry"
aufzunehmen. Ein Glück, dass er dies getan hat, wäre einem doch
ansonsten die vielleicht außergewöhnlichste europäische
Großproduktion der letzten Jahre entgangen. In einem gut halbstündigen
Showdown fechten Cassell und Madsen den Kampf zwischen Gut und Böse
aus, doch nicht Faust oder Blei sind dabei die Waffen der Wahl, sondern
bewusstseinsverändernde Naturprodukte.
Das
auf Celluloid gebannte Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen, auch
wenn zu befürchten ist, dass das eigentlich anvisierte Mainstream-Publikum
nur wenig mit Kounens drogengeschwängerten Visionen wird anfangen
können. Nichtsdestotrotz stellt "Blueberry" eine absolute
Bereicherung des Kinoalltags dar, schon alleine deshalb, weil Filme dieser
Art zuletzt absolut rar geworden sind.
Nicolas Ossberger
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