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fahrenheit 9/11 (OV: dto.)
Start: 06.08.04
Länge:123 min
Von: Michael Moore (Buch & Regie)
Michael
Moore Superstar, Schutzpatron der Menschheit, edler Ritter im Dienste
der Demokratie. Jahrelang mit einem Potpourri aus beißender Sozial-Satire,
narzisstischer Selbstdarstellung und beinhart kalkuliertem Populismus
ein stets gern gesehener, wenn auch nicht immer ganz für voll genommener,
Gast im Festival-Zirkus - heute der große Spalter der ganzen Nation.
Die
wohl erste und offensichtlichste Erkenntnis die man aus "Fahrenheit
9/11" ziehen kann ist jene, dass man sich gerade ein Werk zu Gemüte
geführt hat, das eigentlich gar nicht für einen bestimmt war.
Will heißen, wer sich von Moore neue Fakten zum Thema George W.
Bush oder dem Irakkrieg erhofft, wird mit Sicherheit bitter enttäuscht
werden. Nein, dieser Film ist voll und ganz auf sein nordamerikanischen
Zielpublikum zugeschnitten und das merkt man ihm von der ersten Minute
weg an. Wo früher das freche Augenzwinkern regierte, steht heute
der fast schon verbissen wirkende Versuch seine Intimfeinde mit ihren
eigenen Waffen schlagen zu wollen, weshalb "Fahrenheit 9/11"
in seinen aufdringlichsten Phasen schon fast wie ein aus dem Ruder gelaufener
Wahlwerbespot wirkt - nicht für die Demokraten oder sonst eine Partei
wohlgemerkt, sondern für das große Michael Moore Movement.
Er bietet Infotainment in Reinkulture, für all jene US-Bürger,
die damit gestraft sind zwischen Fox News und CNN wählen zu müssen,
aber auch Wasser auf die Mühlen der so called Liberalen und die Bestätigung
für's rechte Lager, dass alles was sich Links der Mitte ansiedelt,
quasi schon zum Feindgebiet gehört. In anderen Worten, die Zielgruppe
ist endlos und deshalb verwundert es auch kaum, dass "Fahrenheit
9/11" problemlos die 100 Millionen Dollar Grenze überspringen
konnte, vom Status als erfolgreichste Dokumentation (die Definitionsfrage
wird in diesem Jahrhundert wohl nicht mehr geklärt werden) aller
Zeiten ganz zu schweigen. Aus filmischer Hinsicht gesehen ist "Fahrenheit
9/11" Moores bisher schwächster Film, umso paradoxer ist es,
dass er es gerade jetzt geschafft hat, eine Abwahl Bushs natürlich
vorausgesetzt, zum aktiven Teil der amerikanischen Zeitgeschichte zu werden
und dabei gleichzeitig als deren Berichterstatter fungiert.
Das
"Fahrenheit 9/11" nicht mehr so funktioniert wie frühere
Werke, liegt zum Großteil daran, dass Moore seine große Stärke,
das aktive In Your Face-Element nämlich, zu Gunsten der Kommentatoren-Rolle
drastisch zurückgefahren hat. Das senkt nicht nur den Unterhaltungswert,
sondern gibt dem Ganzen auch angesichts der konstant überzeichneten
Darbietung einen völlig deplazierten schulmeisterlichen Anstrich.
Nicolas Ossberger
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