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american splendor (OV: dto.)
Start: 03.09.04
Länge:101 min
Von: Shari Springer Berman, Robert Pulcini (Buch & Regie);
Mit: Paul Giamatti, Hope Davies, James Urbania, Harvey Pekar, Joyce Brabnek,
u.a.
Eine
von der US-Kritik am abgefeiertsten Indie-Produktionen des letzten Jahres
erblickt nun endlich auch hierzulande regulär das Licht der Kino-Welt
- die Verfilmung der Lebensgeschichte Harvey Pekars, seines Zeichens Autor
der in den 70er- und 80er-Jahren immens erfolgreichen Comic-Reihe "American
Splendor".
Ihre
Herkunft vom Dokumentarfilm können Shari Springer Berman und Robert
Pulcini angesichts ihrer Inszenierungsstrategie bei "American Splendor"
nur schwer verleugnen. In regelmäßiger Abfolge unterbrechen
sie die Spielfilmhandlung für kurze Interviews mit den realen Personen,
liefern einem als quasi den Audiokommentar zum Gesehenen gleich mit. Und
so springt man zwischen dem einzig echten Harvey Pekar, seinen Seelenstrips
in Comic-Form und deren Personifizierung durch Paul Giamatti (dessen schauspielerische
Leistung dadurch noch um ein ordentliches Stück aufgewertet wird)
hin und her. Eine Struktur die dem Stoff äußerst entgegen kommt
und zum Glück nicht ansatzweise so konfus wirkt, wie es sich hier
liest. Über weite Strecken bietet "American Splendor" deshalb
sowohl amüsante Spielfilm-Unterhaltung als auch einen interessanten
dokumentarischen Einblick in das Leben eines Neurotikers der selbiges
in Form seiner Kunst stets mit der Öffentlichkeit geteilt hat. Ob
bei seinem Brot-Job als Archivar, den Gast-Auftritten in der David Letterman
Show oder seiner schlicht "Our Cancer Year" betitelten schwersten
Lebensphase, der Film portraitiert Pekar als nicht zwangsläufig sympathischen,
dafür aber sehr menschlichen Anti-Helden.
Sehr
zum Leidwesen des Gesamteindrucks geht "American Splendor" knapp
vor Ende dramatisch die Luft aus, was in einer fast schon schmalzig daherkommenden
Schlusssequenz seinen unerfreulichen Höhepunkt findet. Schade drum,
denn über den Großteil der Distanz bietet der Film nicht nur
stilistisch Erfreuliches, sondern generell exzellentes Independent-Kino.
Nicolas Ossberger
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