hellboy (OV: dto.)
Start: 17.09.04
Länge:122 min
Von: Guillermo del Toro (Buch & Regie);
Mit: Ron Perlman, Selma Blair, Jeffrey Tambor, Karel Roden, Rupert Evans,
John Hurt, Corey Johnson, Doug Jones, Brian Caspe, James Babson, u.a.
Mit
"Hellboy" schuf Mike Mignolia einen der erfolgreichsten und
unterhaltsamsten Comichelden der letzten Dekade. Düster, grantig
und stets einen One-Liner bei der Hand - so hat sich das für die
gute Seite kämpfende Geschöpf aus der Hölle innerhalb von
zehn Jahren zum Fan-Favorite par excellance entwickelt. Unvermeidlich
also, dass "Hellboy" auch für die große Leinwand
zum Thema wurde.
Mit
Guillermo del Toro bekam schlussendlich ein Regisseur den Zuschlag, der
sich sowohl als Kenner der Materie outete und mit Filmen wie "Cronos"
und "The Devil's Backbone" bereits souveränes Genre-Kino
ablieferte. Da man außerdem Mike Mignola zur Mitarbeit bewegen konnte,
standen die Zeichen für eine würdige Kino-Adaption so gut wie
selten zuvor. Tja, Pustekuchen, denn bis auf einen wirklich gelungenen
optischen Rahmen, hat "Hellboy" kaum mehr zu bieten, als die
Aneinanderreihung sämtlicher großen NoNo's der Comic-Verfilmungsgeschichte
- mit Hauptaugenmerk auf die gute alte Don't fuck with the Characters-Regel.
Während Hellboy (Ron Perlman) himself noch durchaus linientreu daherkommt,
sind sämtliche weiteren Figuren nur noch ein trauriger Abklatsch
ihrer selbst. So sah man Abe Sapiens (Doug Jones) Daseinsberechtigung
augenscheinlich ausschließlich darauf beruhend, dass Hellboy einen
freakigen Sidekick benötigt, während Pyrogirl Liz Sherman (Selma
Blair), so quasi als das einzig vorhandene weibliche Wesen im Film, notdürftigst
zum Love-Interest umgepolt wurde.
Inhaltlich
bediente sich der auch für's Script zuständige del Toro, bei
allen fünf Bänden, von "Seed of Destruction" bis "Conqueror
Worm", mit dem Ziel eine komprimierte Best of Hellboy-Story zu erschaffen.
Was zur Folge hat, dass essentielle Figuren, wie Nazi-Scherge Karl Ruprect
Kroenen (Ladislav Beran), Hellboy-Ziehvater Trevor Bruttenholm (John Hurt)
oder Rasputin (Karel Roden), kaum mehr zu tun bekommen als ihre jeweiligen
Story-Tool-Missionen zu erfüllen. Dafür gibt es mit John Myers
(Rubert Evans) einen neuen (vermeintlichen) Sympathieträger zu bewundern,
dessen Anwesenheit im Bureau of Paranormal Research and Defense mindestens
ebenso deplaziert wirkt, wie jene schon angedeutete Liebesgeschichte.
Was bleibt, ist der Soloauftritt eines Helden mit steinerner Faust und
abgesäbelten Hörnern, der durch die Überwindung seiner
eigenen inneren Dämonen (pun intended) so nebenher eine Apokalypse
verhindert. Klingt ein wenig dünn, ist es leider auch.
Auf
der Habenseite kann Guillermo del Toro verbuchen, dass es ihm gelungen
ist, die Atmosphäre der Bücher auf die Leinwand zu transportieren.
Gerade in Sachen Produktionsdesign ist "Hellboy" ein absoluter
Erfolg, der sich eine weniger oberflächlichere Aufarbeitung des Original-Stoffes
verdient hätte.
Nicolas Ossberger
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