| das mädchen mit dem perlenohrring
(OV: girl with a pearl earring)
Start: 24.09.04
Länge:101 min
Von: Peter Webber (Regie); Olivia Hetreed (Buch)
Mit: Scarlett Johansson, Colin Firth, Cillian Murphy, Tom Wilkinson, u.a.
Der
Film zum Bild. Peter Webber überrascht in seiner Leinwandadaption
von Tracy Chevaliers "Das Mädchen mit dem Perlenohrring"
mit einer Kombination aus betont kunstmalerischer Bildsprache und inhaltlicher
Blässe. Dazwischen: Scarlett Johansson als karge Schönheit vom
Lande.
Es
passiert nicht viel in den gut 100 Minuten die sich Webber Zeit genommen
hat um die Entstehungsgeschichte von Johannes Vermeers vielleicht berühmtesten
Gemälde nachzuerzählen. Was vor allem daran liegen mag, dass
der Regiedebütant das emotionelle Eintauchen ins Delft des 17. Jahrhunderts
nicht über die schauspielerischen Darbietungen seines Ensembles anvisierte,
sondern dadurch, das Publikum in bester Ausstellermanier von einer sorgsam
arrangierten Szene zur Nächsten zu führen. Bewegte Bilder im
wahrsten Sinne des Wortes, erwecken Webbers Figuren, allen voran jene
der, von Scarlett Johansson gegebenen, Magd Griet, doch nicht selten den
Eindruck, als bestünde ihre primäre Funktion darin, einzig und
allein als Motiv für die jeweilige Einstellung zu dienen. Es ist
deshalb ein zentraler Moment, als Griet erschrocken nachfragt, ob es ihr
denn überhaupt gestattet sei die Fenster im Atelier des Meisters
zu putzen, immerhin würde sich dadurch ja das Licht im Raum verändern.
Eine Bemerkung, die nicht nur für die weitere Geschichte von großer
Bedeutung sein wird, sondern auch repräsentativ für Webbers
cinematographische Herangehensweise ist. Jede Minute, jedes Frame in "Das
Mädchen mit dem Perlenohrring" arbeitet nur auf jenen finalen
Moment hin, in dem das fertige Gemälde als die Summe der Geschehnisse
dem Kinopublikum präsentiert wird, Eine in sich völlig schlüssige
dramaturgische Offenbarung, die mit weniger handwerklichen Fingerspitzengefühl
so wohl sicher nicht funktioniert hätte.
Es
ist die Kombination aus mehreren klugen Entscheidungen, die Webbers Debüt
zu solch einer lohnenden Kinoerfahrung macht. Sich gegen ein opulentes
Kostümdrama zu entscheiden zählt da ebenso dazu, wie die Besetzung
von Scarlett Johansson, die hier aus sehr wenig, sehr viel macht und als
Objekt der Anschauung dem Original mehr als nur Rechnung trägt.
Nicolas Ossberger
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