dogville (OV: dto.)

Start: 31.10.03
Lšnge: 178 min
Von: Lars von Trier (Buch & Regie), Anthony Dodd Mantle (Kamera)
Mit: Nicole Kidman, Lauren Bacall, Philip Baker Hall, James Caan, Harriet Andersson, Jean-Marc Barr, Ben Gazzara, Paul Bettany, u.a.

Been there, done that. Lars von Trier ist nach "Breaking the Waves", "Idioterne" und "Dancer in the Dark" mit "Dogville" nun endgültig am Point of No Return seiner von eigner Hand konstruierten Sackgasse aus Misogynie und Märtyrertum angekommen.

Geschlagene 2,5 Stunden lässt einen von Trier dieses Mal am Kreuzweg seiner Hauptprotagonistin teilhaben, ehe er mit einem verzweifelten Akt der Überspitzung die Taten der Bewohner des kleinen Örtchens in den Rocky Mountains zum Comic Relief reduziert. Was in früheren Werken als nur allzu gern ignorierter Subtext mitschwang, bekommt bei "Dogville" in Form von John Hurts Narration jetzt sogar eine eigene Stimme. Es ist die Süffisanz des Wissen über das Unvermeidbare, der in seiner Verzweiflung fast schon arrogante Wink mit dem Zaunpfahl des Regisseurs in Richtung seiner vor lauter Betroffenheit zergehenden Fangemeinde. Das Konzept, wie im Falle von "Dogville", den Spieß am Ende einfach umzudrehen, geht dennoch nach hinten los, verstärkt es doch nur das Gefühl, dass von Trier in seiner zur totalen Routine verkommen Repetition weiblicher Leidenfähigkeit festsitzt. Da nützt dann auch der bemühteste inszenatorische Ausflug ins Brecht'sche Lager nichts mehr, denn so gut der mobile Handkamerawahnsinn zwischen den kargen Bühnenbauten auch funktioniert, die Geschichte bleibt eben doch immer die selbe.

Das Ende der Fahnenstange scheint für von Trier und seine vom Schicksal gebeutelten Protagonistinnen allerdings noch nicht erreicht, wird der 47-jährige Däne doch ab 2006 gemeinsam mit Christian Thielemann in Bayreuth Hand an Richard Wagners "Der Ring der Nibelungen" legen und so in die Fußstapfen von Patrice Chereau und Werner Herzog treten. Brunhilde steht wohl einiges bevor.

Nicolas Ossberger