ein (un)möglicher härtefall
(OV: intolerable cruelty)

Start: 24.10.03
Lšnge: 100 min
Von: Joel Coen (Buch & Regie), Ethan Coen (Buch & Produktion)
Mit: George Clooney, Catherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Billy Bob Thornton, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, u.a.

Es ist immer wieder die selbe Leier. Kaum erfreuen einen die Coen-Bros mit einem neuen Werk, kriechen auch schon die Lamentierer aus ihren Löchern. "Der schwächste Coen seit..." schallt es jedes Jahr aufs Neue mit bemerkenswerter Routine durchs Land.

Über die Hintergründe dieses ja auch schon von den Simpsons her bekannten "Worst Episode Ever"-Phänomens kann man zwar nur spekulieren, am wahrscheinlichsten dürfte aber wohl sein, dass es scheinbar nicht gerne gesehen wird, dass da zwei Filmemacher den Spagat zwischen kommerziell erfolgreichen Mainstream und aufrecht erhaltener Indie-Kompatiblität geschafft haben. Seit "Fargo" genießen die beiden Brüder in Hollywood jedenfalls relative Narrenfreiheit und haben hinsichtlich Budget und Cast Zugang zu Quellen, die angesichts der Skurrilität ihrer Werke alles nur nicht selbstverständlich sind. "Intolerable Cruelty" macht da keinen Unterschied, wartet der Film doch mit einer Starbesetzung auf, die sich wahrlich sehen lassen kann. An George Clooney dürften die Coens einen Narren gefressen haben, nach dessen Auftritt in "O Brother Where Art Thou" steht er nämlich gleich wieder an vorderster Front. Als Scheidungsanwalt in Liebesnöten beweist er erneut, dass seine schauspielerische Bestimmung ganz klar im komödiantischen Bereich liegt. An seine Seite gesellt sich Catherine Zeta-Jones, in der wohl einzigen Rolle die sie wirklich überzeugend darbringen kann: als knallhart berechnender Vamp, der über Männerleichen geht. Wie gewohnt, wurden auch diesmal wieder jede noch so marginalen Nebenrolle erstklassig besetzt, bis hin zum zweisekündigen Bruce Campbell-Cameo.

"Ein (un)möglicher Härtefall" reiht sich demnach nahtlos in die Filmographie der Coens ein. Optisch perfekt und mit jeder Menge Augenzwinkern inszeniert, hält der Film jeglichen Vergleich stand und wird sowohl Screwball-Hardliner, als auch Gelegenheitskinogeher gediegen unterhalten.

Nicolas Ossberger