kill bill vol. 1 (OV: dto.)

Start: 16.10.03
Lšnge: 111 min
Von: Quentin Tarantino (Buch & Regie), Robert Richardson (Kamera)
Mit: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Vivica A. Fox, Lucy Liu, Chia Hui Liu, Chiaki Kuriyama, Sonny Chiba, Larry Bishop, u.a.

Das ist er jetzt also, der vierte Film von Quentin Tarantino. Nach dem Scheitern von "Jackie Brown", folgt jetzt die Rückkehr in heimatliche Gefilde. Ein Kopfschuss und Nancy Sinatras "Bang Bang" eröffnen den blutigen Reigen - herzlich willkommen beim wohl teuersten Filmzitat aller Zeiten.

Es passiert selten, dass nach einem Presse-Screening eines mit Spannung erwarteten Films kaum jemand mehr einfällt als "Öh, tja, puh....". Mag zum einen an der eben erst herniedergegangenen Bilderflut gelegen haben, zum anderen allerdings sicherlich auch daran, dass "Kill Bill Vol. 1" schlicht und ergreifend kein eigenständiges Stück Kino im herkömmlichen Sinn darstellt. Bis zum kleinsten Detail hin hat sich Tarantino bei seinen persönlichen Helden bedient, jede einzelne Szene funktioniert als cineastische Pop-Referenz, manche Schauspieler fungieren gar überhaupt nur als fleischgewordenes Zitat (Chiaki Kuriyamas Auftritt in ihrer "Battle Royal"-Schuluniform wäre da wohl als herausstechendstes Beispiel zu nennen), ja selbst Uma Thurmans gelb-schwarzer Anzug stammt eigentlich aus Bruce Lee's alter Mottenkiste. Wäre "Kill Bill Vol. 1" ein Cover-Album, man würde anmerken, die Bands hätten dem Original zwar ihre volle Hingabe gewidmet, wären dann aber deutlich zu übermotiviert an die Sache herangegangen, mit der Konsequenz weit über das Ziel hinaus geschossen zu haben. Umgemünzt heißt das nichts anderes als das manchmal weniger tatsächlich mehr ist, denn wenn einem etwas den Spaß an "Kill Bill Vol. 1" verdirbt, dann der permanent auf einen einprügelnde Coolness-Overkill. Natürlich sieht das alles sehr gut aus, und selbstverständlich sitzt hier jeder einzelne Ton des Scores von RZA, von den üblichen Soundtrackmätzchen gar nicht zu sprechen. Doch dieser Triumph des Styles über die Substanz ist ein teuer erkaufter, geht er doch zur Gänze auf Kosten des Gesamtwerkes.

Hinsichtlich "Kill Bill Vol. 2" wirft das jedenfalls die Frage auf, wen juckt es überhaupt, wie es mit "The Bride" weitergeht, denn zum Aufbau einer emotionellen Bindung mit der Hauptfigur blieb während der 100 Minuten des ersten Teils keine Zeit, hatte man doch schon genug damit zu tun, den Body Count im Lager der Yakuza im Auge zu behalten. Vermutlich wird die Antwort darauf innerhalb von Minuten in Blut ertränkt sein.

Nicolas Ossberger