dreizehn (OV: thirteen)

Start: 14.11.03
Lšnge: 100 min
Von: Catherine Hardwicke (Buch & Regie), Nikki Reed (Buch)
Mit: Holly Hunter, Evan Rachel Wood, Nikki Reed, Jeremy Sisto, Brady Corbet, Deborah Kara Unger, Kip Pardue, Sarah Clarke, u.a.

Durchaus bemerkenswert, wenn auch nicht frei von Durchhängern, präsentiert sich das Filmdebüt von Catherine Hardwicke. Über kurz oder lang wohl eine der wenigen US-Indie-Produktionen, die es heuer in die heimischen Kinos schaffen wird.

Die Eröffnungsszene ist einer der gefährlichsten Drahtseilakte im Filmgeschäft. Je kraftvoller der erste Eindruck, desto schwieriger wird es diesen Standard über die komplette Distanz durchzuhalten. Catherine Hardwicke startet "Thirteen" mit einer ebensolchen. Wir sehen Tracy (Evan Rachel Wood), wie sie uns mit ihren prächtigen, tiefblauen Augen entgegen funkelt. Doch was in der ersten Sekunde noch wie ein Musterbeispiel an Kinderzimmer-Perfektion aussieht, löst sich plötzlich mit den Worten "Come on, hit me!" und einer ins Bild schnellenden Faust in Schall und Rauch auf. Eine blutige Lippe später sehen wir Evie (Nikki Reed) neben ihr sitzen, beide Mädchen lachen und schnüffeln noch einmal am Lack. Tracy ist 13 und nun endlich offiziell cool. Was folgt sind 1,5 Stunden Teen-Angst, vom neuen Freund der Mutter, über den sie ignorierenden Bruder, Sex als Mittel zum Zweck des Dazugehörens hin zur Selbstverstümmelung im Badezimmer. Hilflos muss Mel (Holly Hunter) zusehen, wie ihre Tochter sich plötzlich vom anschmiegsamen Liebling in ein unbekanntes Wesen verwandelt, das stiehlt, Drogen konsumiert und trotz HItze nur noch langärmelig herumläuft. Und so prallen sie schlussendlich aufeinander, die Tochter, welche auf Teufel komm raus aus ihrem Kindsein entfliehen möchte und ihre Mutter, welche niemals wirklich erwachsen geworden ist.

Auch wenn sich das alles ein wenig nach klebriger Larry Clark Schule anhören mag, den Fehler ihre Figuren einzig als Mittel zum Zweck der Exploitation zu verwenden begeht Catherine Hardwicke nicht. Vielmehr lies sie die Erfahrungen ihrer 14-jährigen Darstellerin Nikki Reed ins Drehbuch einfließen, was zu einem durchaus authentisch wirkenden und inhaltlich funktionierenden Ergebnis führte.

Nicolas Ossberger