|
the brown bunny (OV: dto.)
Start: 14.11.03
Länge: 90 min
Von: Vincent Gallo (Regie, Buch, Kamera, Schnitt)
Mit: Vincent Gallo, Chloe Sevigny, Cheryl Tiegs, u.a.
Vincent
Gallo zu bashen gehörte 2003 mit zu den beliebtesten Beschäftigungen
im Filmfestivalzirkus. Da musste schon die Viennale kommen, um dem heuer
so Vielgescholtenen und seinem, seit Cannes deutlich heruntergekürzten,
zweiten Langfilm den verdienten Respekt zu zollen.
Den
Preis der internationalen Filmkritik hat sich "The Brown Bunny"
redlich verdient, spielt die Produktion doch in einer Liga mit Gus Van
Sants letztjährigem Meisterstück "Gerry". Wie Van
Sant überlässt auch Gallo beinahe ausschließlich der Kamera
die Erzählfunktion, was zum Teil sehr lange, ruhige Einstellungen
mit sich bringt, die eine Intimität besitzen, wie man sie im US-amerikanischen
Kino schon längst verloren geglaubt hat. Seiner Hauptfigur, dem Motorradfahrer
Bud Clay, scheint Gallo alle Last der Welt auf die Schultern gelegt zu
haben, dessen verzweifelte Versuche Nähe zu finden resultieren nämlich
allesamt im Schmerz. So ergibt sich ein Road-Movie auf der Suche nach
Liebe und dem Versuch zu Vergessen, vorbei an Salzwüsten, Rennstrecken,
billigen Motels und Frauen die allesamt Blumennamen tragen. Eine Reise
ohne Ziel, die sich am Ende ebenso wie Clays Imagination in Schall und
Rauch auflöst.
Gallos
totale Verweigerung gängiger Mainstream-Standards dürfte wohl
der Hauptgrund dafür sein, dass "The Brown Bunny" gern
als blanker Narzissmus missinterpretiert wird. Und auch wenn man ihm eine
gesunde Portion Egotrippin' sicherlich nicht absprechen kann, so hat der
Film doch weitaus mehr zu bieten als reine Selbstinszenierung. Ein in
seiner Schlichtheit überzeugender, wichtiger Film, der wohl noch
auf Jahre hinweg die Meinungen spalten wird.
Nicolas Ossberger
|