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spun (OV: dto.)
Start: 12.12.03
Länge: 100 min
Von: Jonas Åkerlund (Regie)
Mit: Jason Schwartzman, Mickey Rourke, Brittany Murphy, John Leguizamo,
Patrick Fugit, Mena Suvari, Chloe Hunter, Deborah Harry, Eric Roberts,
u.a.
Da
wären wir wieder - ein Langfilmdebüt eines Video- und Werbeclipsuperstars.
Jonas Åkerlund zählt unter seinesgleichen sicherlich zu den
begehrtesten und stilprägendsten Künstlern, auch wenn seine
Arbeiten zuweilen nicht immer auf uneingeschränkte Gegenliebe stoßen.
"Spun" wird diesbezüglich kaum eine Ausnahme machen.
Wer
hier so etwas wie eine Erzählstruktur erwartet, sollte diesen Film
jedenfalls besser gleich einmal meiden, denn was Åkerlund hier fabriziert
hat ist nicht mehr und nicht weniger als der endgültige Triumph des
Styles über die Substanz. Wo andere Filmemacher ihren Figuren Raum
zur Entfaltung lassen, betoniert der Schwede seine Protagonisten bereits
von der ersten Minute an so fest am gesellschaftlichen Bodensatz ein,
dass Gedanken an Moral und Hoffnung gar nicht erst aufkommen. Drogensüchtig
und Spaß dabei lautet das Motto und das in keineswegs beschönigender
Form. 4500 Schnitte lassen einen teilhaben an der täglichen Achterbahnfahrt
von Ross (Jason Schwartzman), Nikki (Brittany Murphy) und ihren Junkie-Kollegen
- eine optische Reizüberflutung, die ihren Effekt nicht verfehlt.
Zwischen zugemüllten Apartments, Pornoläden und abgefuckten
Bars bewegt man sich immer nur von einem Hit zum Nächsten, mit einer
amphetamingesteuerten Nonchalance die nur dann ins Wanken kommt, wenn
in Form von zugedröhnten Cops oder einem Gespräch mit der drogenfreien
Ex das wahre Leben anklopft. Es ist den phänomenalen Einzelleistungen
der gesamten Cast (und dem 1000 Seiten umfassenden Storyboard) zu verdanken,
dass "Spun" schlussendlich nicht ob der optischen Dauerbefeuerung
auseinander fällt. Insbesondere Mickey Rourke brilliert in der Rolle
des Speed-Cooks.
Åkerlunds
Videoclip zu "Smack My Bitch Up" lies einen ja schon erahnen,
wohin der Hase laufen könnte. "Spun" übertrifft in
Sachen visueller Kriegsführung seine bisherigen Werke jedenfalls
um Längen. Doch es funktioniert, denn obwohl der Film quasi gänzlich
ohne Spannungsbogen auskommt, hält der Optik-Overkill den Adrenalinlevel
bis zum Ende hoch. Und viel mehr dürfte auch nicht im Sinne des Erfinders
gewesen sein.
Nicolas Ossberger
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