alexander (OV: dto.)

Start: 23.12.04
Lšnge:160 min
Von: Oliver Stone (Buch & Regie),
Mit: Colin Farrell, Angelina Jolie, Jared Leto, Anthony Hopkins, Val Kilmer, Rosario Dawson, Elliot Cowan, Joseph Morgan, Christopher Plummer, Erol Sander, Connor Paolo, Morgan Christopher Ferris, u.a.

Kolossal ist vermutlich jenes Wort, das Oliver Stones "Alexander" noch am ehesten gerecht wird. Kolossal sind nämlich nicht nur die Unsummen die das Monsterprojekt am Ende verschlungen hat (150 Millionen USD), nein, kolossal ist auch das einmalige künstlerische Scheitern des gesamten Unternehmens.

Sehr viele Bücher werden geschrieben werden, über dieses eine, vielleicht größte, Missverständnis der aktuellen Hollywood-Ära. Und wo soll man hier bitte überhaupt beginnen? Bei der komplett gegen den Strich besetzten Cast (Angelina Jolie als Olympia - ernsthaft, wer denkt sich so etwas aus)? Den peinlich berührenden, nicht Fisch, nicht Fleisch-Versuchen dem Zweigespann Colin Farrell und Jared Leto auch nur einen Funken homoerotischer Spannung zu entlocken? (Da nützte die beste Fönwelle und auch 20dag Kajal nichts). Oder doch beim Umstand, dass Stone augenscheinlich als Einzige bei der Erwähnung von Alexander dem Großen nicht an die Schlacht von Issos (war da was?), Aristoteles (ein Nebensatz) oder den Gordischen Knoten (huh?) denkt? Stattdessen bittet der Film reichlich Gelegenheit um Vermutung über den Geisteszustand des ehemaligen Königs der Welt anzustellen, wird Farrell doch ausgiebig Zeit gelassen, den kühnen Fantasien seiner Figur freien Lauf zu lassen. In anderen Worten, wer "Alexander" in der Hoffnung einen Sandalen-Film präsentiert zu bekommen betritt, wird ein 160 Minuten langes blaues Wunder erleben. Zwar kann kein Film über einen der größten Eroberer der Menschheitsgeschichte gänzlich ohne Schlachten auskommen, der Action-Anteil verläuft jedoch im einstelligen Prozentbereich. Bei diesen Gelegenheiten, so kurz sie auch sein mögen, besitzt er Film dann sogar beinahe so etwas wie Momentum, doch nach einem kurzen Marsch mit der Handkamera quer durchs Elefantengemetzel ist es damit auch gleich wieder vorbei.

Grundsätzlich muss man vor Oliver Stone ja den Hut ziehen, denn solch eine Kapitulation bringt wirklich nicht jeder zustande. Hierin liegt vielleicht auch ein klein wenig die Chance von "Alexander", hat der Film doch eigentlich fast schon wieder das Potential dafür in 20, 30 Jahren als völlig verkannter Schatz unserer Zeit wiederentdeckt zu werden. Bis es aber soweit ist, heißt es erst einmal: Augen zu und durch.

Nicolas Ossberger