|
birth (OV: dto.)
Start: 23.12.04
Länge:100 min
Von: Jonathan Glazer (Buch & Regie)
Mit: Nicole Kidman, Cameron Bright, Danny Huston, Lauren Bacall, Arliss
Howard, Peter Stormare, Anne Heche, u.a.
Es
spricht nichts dagegen, eine Geschichte mit Hilfe optischer Aufputschmittel
als mehr erscheinen lassen zu wollen als tatsächlich dahinter steckt.
Im Fahrwasser des Erfolge von "The Village" mausert sich diese
kleine Behelfsmaßnahme derzeit jedoch ärgerlicherweise zum
alles rechtfertigenden Stilmittel. "Birth" beweißt - der
Prätention sind derzeit keine Grenzen gesetzt.
Ein
Mann stirbt, ein Kind wird geboren. Zehn Jahre später setzt ein seltsam
ernsthaft wirkender Junge in New York eine Frau kurz vor ihrer zweiten
Hochzeit darüber in Kenntnis, dass er ihr verstorbener Ehemann sei.
Ein scheinbar bedeutender Moment. Eineinhalb Stunden später wird
sich herausstellen, dass diese, so wie all die folgenden kleinen und großen
Behauptungen auch, nicht mehr als schön anzusehende heiße Luft
waren. 100 Minuten lang versucht einem Jonathan Glazer nämlich nach
allen Regeln der Kunst weiszumachen es hier mit einem Mystery-Streifen
zu tun zu haben, wo es doch eigentlich um das Scheitern an der Überwindung
des Verlustes eines geliebten Menschen geht. Das klar ersichtliche Problem:
es kann nicht beides funktionieren. Dennoch müht sich die Geschichte
bis zur letzten Abblende damit ab diesen Schein aufrecht zu erhalten.
Die Folge: während man im Kinosessel inständig hofft, dass der
Film mehr zu bieten hat als nur den sich von Beginn an abzeichnende RaRuRick
- Barbatrick der Marke M. Night Shyamalan, muss sich Nicole Kidman zum
Zwecke der kontinuierlichen Dramatik ins totale Overacting stürzen,
was so manche Szene leider ins ungewollt-komische abgleiten lässt.
"Birth"
scheitert an vielen Fronten. Vom völlig aufgesetzt wirkenden Arthouse-Look
bis hin zum irrationalen Verhalten der Figuren, alles wirkt wie auf dem
Reißbrett entworfen. Wo Souveränität sein sollte ist Hysterie,
wo klare Entscheidungen gefragt wären, gibt es nur schwammiges Hintertürchenaufhalten.
Nach Glazers ansprechenden Debüt "Sexy Beast" eine herbe
Enttäuschung.
Nicolas Ossberger
|