Frontline Assembly
Epitaph
(Metropolis)

Trotz der erstaunlichen Erfolge mit 'Delerium' haben die Herren Leeb & Peterson ihren Jugendstolz nicht über Bord geworfen, und so wurde unlängst unter hoher Spannung ein neues Frontline Assembly-Album beschert. Im üppigen Kleid, sorgsam geschneidert vom altbewährten Pixelalchemisten Dave McKean, wähnt sich das Kind "Epitaph" geborgen wie im Mutterschoß. Ungleich einem Neugeborenen jedoch gebärdet sich das Machwerk im glanzvollen Licht der langjährigen Erfahrung und Routine einer der wichtigsten Electro-Industrial/EBM-Projekte seit Menschengedenken.
Doch halt, Routine ist nicht immer der beste Kompanion für schöpferische Prozesse, und dementsprechend - soviel sei hier gleich mal vorweggenommen - ist auch die Entwicklung von Frontline Assembly nun an einem kritischen Punkt angelangt. Obschon beim anhören der Tracks sofort klar wird, dass hier ein ungemeiner Schatz an Erfahrung in (produktions-, sound-)technischer Hinsicht in die Anfertigung des Albums eingeflossen ist, so mag der eine oder andere aufmerksame Verfolger des Leebschen Schaffenspfades (unter Einbezugnahme seiner diversen Odysseen) dennoch ein Maß an Überraschungsmomenten bzw. der Reiz des Neuen vermissen.
Die meisten Akkorde hat man ihn einer ähnlichen (oder vielleicht bloß umgedrehten) Reihenfolge schon mal vernommen, und auch viele der Sounds und Loops wurden einem schon auf der einen oder anderen Platte aus der Schmiede Leeb & Co. untergejubelt. Nun, um hier nicht einem groben Mißverständnis Vorschub zu leisten: Das Album ist hochgradig solide und keineswegs eine grobe Enttäuschung... die meisten der Tracks reflektieren den im langen Wirken der Protagonisten erworbenen hohen Status in der Elektromusik, welcher sich zum Einen in einer immensen Klangdichte (stets in erstaunlicher Perfektion gehalten), und zum Anderen in eingängigen Refrains und addictive Synthie-Hooks äußert. Auch darüber hinaus zieht sich das typische Muster aus den letzten paar Alben weiter: Unter der feudalen Klangpracht, tief im verästelten Dickicht des Beatjungels, wird fleißig Feuerholz für die Dampfmaschine gehackt, während über den Klangwipfeln Bill Leebs hohle Vocals wie eisige Polarwinde hinwegfegen.
Dennoch, wie gesagt, der Konsum von Epitaph hinterläßt mehr ein wohliges Gefühl von Vertrautheit, als dass es den Geist mit neuen Eindrücken zu reizen vermag. FLA sind also scheinbar an einem Punkt angelangt, an dem sie sich entscheiden sollten: Entweder am Stand weitertreten ohne bedeutend vom Fleck zu kommen, oder das Konzept über den Haufen werfen und womöglich etwas VÖLLIG anderes zu probieren (Man bedenke: Bislang wurden doch fast alle Ausflüge in 'andere Genres', sei's nun mit Equinox, Pro-Tech oder Will, bildlich gesprochen bloß von FLA an einer relativ kurzen Hundeleine Äusserln geführt... die Antithese dazu stellten wiederum Delerium, Synaesthesia & Co dar).
In diesem Zusammenhang scheint es nun wenig verwunderlich, dass Chris Peterson in einem kürzlich geführten Interview erwähnt haben soll, dass dies vorraussichtlich das letzte FLA-Album mit seiner Mitwirkung bleiben wird. Also... hat schon jemand Ideen für eine etwaige Nachfolge? Rhys Fulber? Michael Balch? Wer will auf den Sozius?
(stoff)

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2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
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5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
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8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

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