Robert Rotifer
A Different Cup of Fish
(Survival of Defeatist / Trost)

Seltsam irgendwie, aber seit er Mitte der 90er von Wien nach London übersiedelt ist, ist Robert Rotifer hierzulande präsenter denn je. Nicht als aktiver Musiker (nach der Auflösung der The Electric Eels erschien 1996 zuletzt die Doppel-Single "The Fun Is Now Over", eine Zusammenarbeit mit den Sofa Surfers) und Moderator der FM4-Sendung "Heartbeat", sondern als Musikjournalist. Als Journalist ist er vermutlich der beste und kompetenteste Popschreiber des Landes. Auch weil er lebt, worüber er schreibt. Politisch motiviert und kritisch weist er auf Zusammenhänge hin, die anderen meist entgehen (etwa in seiner wöchentlichen Pop&Politics-Kolumne "Der knallrote Doppeldecker" in der kommunistischen "Volksstimme", im "Falter" oder in "Malmoe"). Musikalisch hat Rotifer seine Elektronik-Experimente abgebrochen, sich wieder ganz klar "seiner" Gitarre zugewandt. "Ich bin nicht der einzige, der sich sowohl ideologisch als auch praktisch vom Prinzip Innovation = Progressivität befreit hat", begründet er seine Rückbesinnung im Begleittext zu "A Different Cup of Fish". Okay, Rotifer rockt. Einmal steuert Cornershops Tjinder Singh eine Bassline, Drum-Parts und ein paar andere Ideen bei; und das Ergebnis klingt dann auch ziemlich nach Cornershop 1998. Sonst hat das Leben im multikulturellen London, manche nennen die Metropole ja auch "Schmelztigel", collagenartige Spuren im Sound und den Texten hinterlassen. Meist singt er in perfektem britischem Englisch, einmal Deutsch, was dann bei jedem Mal Hören mehr an Shys wunderbares "Frühstück für Slacker" erinnert. Davor, auch wenn`s richtig schön schweinerockt, und danach sieht Rotifer sich ganz offensichtlich immer als Singer/Songwriter; das geht meist gut, manchmal (etwa in "No Love Is Lost") verliert er sich aber in Gefühlsseligkeit.
Fazit: Sicher kein Muss, auf jeden Fall aber eine Bereicherung, vor allem weil Songs wie "Hassan" oder "Jiujitsu" mit jedem Mal Hören an Charme gewinnen. Wären da nur nicht diese nervigen Intros... Ach ja, das Coverbild, das hat er auch selbst gemalt.
(thomas weber) 7

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

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