St. Thomas
I´m Coming Home
(Virgin)

Mit seinen terminal-traurigen Meditationen über das Leben als solches und den persönlichen Standpunkt im speziellen "Please do not understand that I´m a normal man" steigt Thomas Hansen aka St. Thomas dort in seinem Album ein, wo andere schon längst die letzten Töne hinter sich gelassen haben. Idiosynkrasie in ihren schönsten Weisen wie sie sonst nur einem Neil Young in Höchstform vergönnt ist, zaubert St. Thomas auf I´m Coming Home fast spielerisch aus dem Ärmel. Nur - wo sich Young schon längst ob seiner politischen Statements ins glaubwürdige Abseits manövriert hat, treffen uns die in ihrer Kargheit fast anrührigen Songs mit einer im Innersten fast peinlichen Ehrlichkeit. Wenn sich ein Will Oldham mit seinen Lyrics auf den oftmals überzogenen Sprachspielen der Beat Generation bewegt, näselt der Briefträger aus Norwegen sensible Countrylieder die an heimelige Lagerfeuer in arktischen Tundranächten erinnern. Gemütliche Melancholie, akustisch signifikant auf Gitarre, Banjo und Violine reduziert, bei der selbst einfache Lalala-Refrains tiefe Inhalte verheißen. Viel zu früh, nämlich schon nach knappen 45 Minuten kündigt der nordische Troubadour mit dem Titletrack "I´m Coming Home" das baldige Finale eines trotz - oder gerade wegen - seiner Verlorenheit und Einsamkeit suggerierenden Würde, in dieser Art außergwöhnlichen Albums an.
(space captain)

zum archiv

0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.