Magnetic Fields
i
(Nonesuch/Warner)

Mutmaßungen über konspirative Hintergründe des Albumnamen i finden natürlich dank der Originalität des kauzigen Magnetic Fields Protagonisten Stephin Merritt reichlich Nahrung. Vielleicht ist aber auch die Erklärung so banal wie englisches „Ich“, Hilfsverb oder Präposition. Immerhin hat der Composer es aber geschafft sämtliche Tracks des Albums eben mit diesem i beginnen zu lassen.
Nach der genialen 3 CD-Box 69 Love Songs (1999) ist dies das siebente Werk des bekennenden Abba Fans, sozusagen das Tüpfelchen auf dem i. Zwischen Scott Walker und Leonard Cohen vermag der Romantiker alle Register des perfekten Pop-Songs zu ziehen, wie z.B. eindrucksvoll mit „I Don´t Believe You“ gelungen. Ob Ausflüge in New Wave Gefilde „I Thought You Were My Boyfriend“, skurril bauchiges „I Was Born“, Besuche beim Phantom der Oper „I´m An Operatta“ bis zu unheimlichen Begegnungen mit dem innovativen 70er Sound, alles gelingt mit Leichtigkeit wie von Geisterhand und manifestiert sich zum Pop-Ohrwurm, der einen nicht mehr los läßt. Wo sich für die meisten der musikalische Horizont zu verdunkeln beginnt, schafft es Merritt in neue Sphären vorzudringen. Weder Klassik, Folk, Country noch Jazz sind weiße Felder und wenn „Infinitely Late At Night“ die Spots verdunkeln läßt, fühlt man sich in großes Entertainment verzaubert. Instrumental die Synthi-Phase verlassen, ersetzen Chello, Klavier und Bläser die Keyboards, von seiner Band Sam Davol, Claudia Gonson und John Woo homogen abgerundet.
Höchste Zeit also Stephin Merritt und seinen Magnetic Fields den ihnen gebührenden Platz im Show-Rampenlicht angedeihen zu lassen. Wenn er das denn auch wirklich will.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.