GEORGE MICHAEL
Songs from the last Century
(Virgin)

Was sich schon mit "Kissing a fool" 1987 ankündigt hatte, wird hiermit real. Da ist nicht nur seine Liebe zu den Soulcroonern in seinem Herz, wie die meisten seiner Stimmen kommt er einfach nicht um den Jazz herum. Während Bryan Ferry ein formidables Projektalbum, vornehmlich dem Charme der 30er huldigend gefertigt hat, wollte der Grieche einfach jazzig singen und suchte sich das passende Umfeld für seine tolle Stimme. So mischen sich zu alten Hits wie "My baby just cares for me" (up-tempo Big Band) durchaus gelungene Überarbeitungen von "Roxanne" (ja Police) oder "Miss Sarajevo" (ja U2 + Eno + Pavarotti).
Man kennt Lieder und merkt sich die Version des Favoriten besonders gut und geht auch ungern davon weg. So ist bei "I remember you" die genialisch swingende Fassung des Chet Baker der Vision Michaels, als Engerl im weißen Laken mit Harfe von der Wolke herab zu trällern (schon amüsant, so ohne Schuhe mit rasiertem Bein), überlegen…der Blueprint eben. Billie Holiday’s "U‘ve changed" kommt gut weg, weil er sofort einen runderen Weg geht, sich nicht an ihre Phrasierungen hält, es fehlt aber etwas. Und hier liegt der grundsätzliche Fehler dieser Platte, der sie daran hindert ein echtes Meisterwerk zu sein. Körperloses singen wird das genannt, wenn jemand so sehr bemüht ist, schön und richtig zu singen, daß dabei die Interpretationstiefe auf der Strecke bleibt. Selten kommt seine, wie gesagt tolle Stimme auch in Baßregionen, wo einem warm wird. Sicher werden irgendwelche Sozialkulturkritiker meine Meinung vertreten und einen Zusammenhang mit seiner Homosexualität herstellen, gewissermassen eine Entleibung als Buße, Reinwaschung und Entschuldigung zu implizieren. Eine ebenso zwingende Logik wie "Heiratet der Bauer im Mai, ist der April auch schon vorbei". Blödsinn dieses ist, sagt der Mann ohne Zwist.
Aber vielleicht hat der Meisterproduzent Ramone einfach nur das Mikrophon falsch eingestellt.
"Wild is the wind" ist dafür wunderschön orchestriert und tadellos gelungen, ebenso wie "Secret Love", das Sinead O’Connor auf ihrer unterschätzten "Am i not your girl?" aber wohl noch ein wenig intensiver hinbekommen hat.
Aber eigentlich wollte ich IHNEN nur mitteilen, daß George Michael seine bisher beste Arbeit geliefert hat. Aber das wußten wir ja schon.
(shorty) 8

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.