Bonnie "Prince" Billy
Ease Down The Road
(Zomba)

Große dunkle Gefühle, die trotz aller Stachel nie in Depression ausarten, sind so selten wie Sternschnuppen am nächtlichen Himmel. Glänzend aber nicht verglühend wie eine sterbende Sonne ist auch die Musik von (diesmal) Bonnie "Prince" Billy. Ganz zu schweigen von den Lyrics mit denen uns Will Oldham, so sein bürgerlicher Name, zum Nachdenken verführt. Unter ständig wechselnden Pseudonymen hat dieser Ausnahmekünstler in den letzten Jahren jede Menge EPs und LPs auf mehr oder weniger bekannten Labels produziert. So u.a. mit seinen Bands Slint und Palace. Und immer, wie auch auf seinem aktuellen Werk Ease Down The Road, finden sich Topmusiker aus allen Ecken der USA zusammen um mit Oldham in die Tiefen der menschlichen Seele zu tauchen. Denn zu lachen gibt es selten etwas. Keine Abgründe des irdischen Lebens scheinen ihm unbekannt. Dennoch immer Hoffnung am Ende des Tunnels. Nachtwachen in skarabäisch-schmuddeligen Bruchbuden wechseln in fast zerstörte Paradiese auf der ewigen Suche nach ein wenig Glück oder erfüllter Liebe. Zwölf Songs mit wehmütiger fast selbstquälerischer Stimme vorgetragen, unterstützt von sparsamen Akusik-Gitarren und monotonen Drums, spartanischer E-Gitarre, getragenen Pianopassagen und gemischtem Chor wie auf der grandiosen Hymne "Just To See My Holly Home". Westcoast-Folk pur. Eine intime Selbstschau zwischen Dylans Selfportrait und Neil Youngs "Crazy Horse" works. Selten hat jemand sein Innerstes so nach außen gekehrt und hinterläßt damit so viel Wohlbehagen nach knapp 45-minütiger musikalischer Andacht. Ein Name, den man sich in seiner vielfältigen Gestalt unbedingt merken sollte.
(space cap)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.