Eric Clapton
Reptile
(Warner)

Was soll man über Eric Clapton noch schreiben? Da tauchen dann Worte wie Ikone oder Mythos auf, und daß er Mr. Slow-Hand genannt wird, weiß auch schon jeder. Vielleicht eher nicht sein vierwöchiges Zusammenspiel mit Casey Jones & The Engineers 1963! Aber dann schon wieder Namen, die hell im Glanz der Rockmusik erstrahlen. Yardbirds, John Mayall, Cream und Blind Faith. Auch bei Zappa´s Mothers war er umtriebig, spielte mit Ringo und George Harrison, The Band oder tummelte sich mit John & Yoko als Plastic Ono Band um nicht zuletzt bei "My Guitar Gently Weeps" von den Beatles an der Leadgitarre zu stehen. Das könnte man dann ewig so weiterführen. Kommen wir jedoch zur jüngeren Vergangenheit. Da gab es das 98er Album Pilgrim, mit dem Herr "Clapton is god" in ganz seichtes Popgefilde hinabstieg, seine Slow-Hand irgendwo hinten versteckte, mit beiden Beinen aber voll in das Schmalznäpfchen von "My Father´s Eyes" tappte. Kann man einem Gott aber wirklich böse sein? Nicht lange. Denn schnell stieg Clapton zu B.B. King ins Auto und produzeirte mit Riding With The King eine der wohl legendärsten Kooperationen der Bluesgeschichte. Gespannt wartete nun alles auf des Meisters nächsten Plot.
Reptile - gewisse Berührungsängste beim Auflegen. Aber Clapton sei Dank, schon der erste Ton befreit von allen Bedenken. Da ist er wieder. Zurückgekehrt zu den Roots und solchen Highlights wie das 1974 nach seiner Heroin Rekonvaleszenz erschienene 461 Ocean Boulevard. 14 Songs, eingerahmt von zwei wundervollen Instrumentals, dem latinohaften "Reptile" zum Anfang und dem eher gefühlsbetonten "Son & Sylvia" als finalen Höhepunkt. Dazwischen öffnen dann Universen stilvoller Genreüberschreitungen und Adaptionen den Horizont. Neben relaxten Eigenkompositionen glänzt Clapton mit musikalischen Seelenwanderungen von J.J. Cale über James Taylor bis hin zu Ray Charles und Stevie Wonder, einer Bandbreite also, die vom Blues zum Rock, Gospel und Soul alles zu bieten hat. Ein weiterer Beweis der Rückbesinnung auf Bewährtes ist neben Erics Co-Produktion mit Simon Climie die Liste der beteiligten Musiker. Als hätten wir das Who is Who der Rockmusik aufgeschlagen, geben sich mit Andy Fairweather-Low (git.), Doyle-Bramhall (git), Nathan East (b.), Steve Gadd (dr.), Paulinho Da Costa (perc.) und Joe Sample (keyb.) durchwegs Weggefährten alter Zeiten die Ehre. Wenn dazu noch Namen wie Pino Paladino, Paul Carrack und Billy Preston auftauchen, ist eigentlich alles gesagt, man kann sich entspannt zurücklehnen und einen weiteren gelungenen Geniestreich des Altmeisters genießen, der mit Reptile, da braucht man wohl kein Prophet zu sein, eines der Alben des Jahres vorgelegt hat.
(space cap)

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1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
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8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
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