Savoy Grand
Dirty Pillows
(Glitterhouse/Hoanzl)

Die alte Weisheit, daß in manchen Bereichen des menschlichen Lebens, so eben auch in der Musik, zuweilen weniger besser denn zuviel ist, führen die britischen Savoy Grand mit genialer Inbrunst vor. In minimalistischer Feinstarbeit wird die Reduzierung musikalischer Mittel auf die Spitze getrieben. Die sieben epischen Ausflüge in noch fast unbekanntes Land sind so pittoresk, daß sie durchaus zur Klanguntermalung einer Yves Klein´schen Kunstausstellung gereichen könnten. Sensibel, immer auf der Hut ja nicht durch einen Ton zuviel, die aufgebaute Harmonie zu zerstören schweben die Mannen um Chef-Melancholiker Graham Langley schwermütig durch die von Streichern, Violinen und Cello begleiteten Arrangements.
Dazwischen Stille, mal ein sanfter Pianoanschlag, zurückhaltend gedämpfte E-Gitarrentupfer verschmelzen mit einsam im Raum stehenden Bassläufen und zaghaftem Vibraphoneinsatz. Dann unerwartet, groovige Anwandlungen, die sich plötzlich selbst in Frage stellend aufzulösen scheinen, nur um von neuem wieder zeichentrickartig Gestalt anzunehmen.
Wie schon die Wortkombination Savoy Grand Edles erahnen läßt, erfüllt Dirty Pillows, des jazz- und klassikgeschulten Quartetts alle imaginären Versprechungen. Intelligente überaus feinsinnige Musik, die sicherlich auch Robert Wyatt, den König des britischen "Dada Pop" ein bewundernd zustimmendes Lächeln entlocken würde.
(space cap)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.