Tortoise
Standards
(Zomba)

Hätte die Third Ear Band Ende der 60er Jahre die jetzigen studiotechnischen Möglichkeiten vorgefunden, wäre vielleicht eine Art Sound wie ihn Tortoise heute pflegen entstanden. Aber die gab es da noch nicht, was auch gut so ist, denn so bleiben uns die Third Ear Band als Klangvorreiter in Erinnerung und ebenso einzigartig wie heute Tortoise, auf die man in 30 Jahren vielleicht in gleicher Weise zurückblicken wird.
Hier und heute hat das Chicagoer Quintett mit Standards das vierte Album in siebenjähriger Dienstzeit gelandet um einmal mehr zu beweisen, daß man die Technik voll im Griff hat. Post-Rock meets Electro-Avantgarde. Wie immer abgrundtiefe Bässe als Basis und eine rhythmische Dichte an Percussion Instrumenten. Dazu wird gesampled, um endlich Vibraphon und Akustikgitarre dem Electro Equipment gegenüberzustellen. Durch kosmische Soundwelten spukende Computerswitches werden ganz weltlich mit dem Vibraphon auf den Punkt gebracht, Ausflüge in Experimentalbereiche kehren bald zur Rhythmusvorqabe zurück. Der für jeden durchsichtige Sound verspricht nichts was er nicht zu halten in der Lage wäre. Eine Klangwelt, die keine unbekannten Schrecken verbirgt und trotz ihrer Stummheit immer Vertrauen und Geborgenheit bietet. Ganz anders als sein Dance-Floor angehauchter Vorgänger TNT ist Standards ein leichtfüßiges Album, das unkonventionelle Klangformen in eine für jeden verständliche Sprache transformiert. Hier wird nichts verheimlicht, ehrliche Musik ohne Vorspiegelung falscher Tatsachen.
(space cap)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.